Taza: Eine stille Hügelstadt zwischen zwei Gebirgszügen

Taza bewacht den Pass zwischen Rif und Mittlerem Atlas: eine Altstadt auf dem Hügel, Marokkos älteste Almohaden-Moschee, Wälder und Höhlen eine Stunde entfernt. Fast keine Touristen.

Die meisten Reisenden sehen Taza nur durch ein Zugfenster. Die Bahnlinie Fès–Oujda verläuft unten in der Ebene, und oben auf ihrem Hügel liegt die Altstadt, ockerfarbene Mauern und ein Minarett im Licht – während alle sitzen bleiben und weiter nach Osten fahren.

Steigen Sie aus. Taza ist eine der wenigen marokkanischen Medinas, in denen Sie niemand in einen Teppichladen einlädt, weil es fast keine Teppichläden gibt. Was es stattdessen gibt: eine kompakte Altstadt, die Sie in zwanzig Minuten durchqueren, eine Moschee, die älter ist als alles, was in Marrakesch noch steht, Stadtmauern mit Blick über Olivenhaine und zwei Gebirgszüge und, eine halbe Stunde die Straße hinauf, Korkeichenwald und eine der tiefsten Höhlen Afrikas, die im Sommer 2026 nach zehn Jahren Schließung wieder für Besucher geöffnet wurde.

Ein geschliffenes Reiseziel ist das nicht. Die Hotels sind einfach, Englisch ist selten, und die Altstadt ist wirklich steil. Doch für Reisende, die Fès und Chefchaouen schon kennen und einen Tag in einer echten marokkanischen Stadt erleben möchten, ist Taza ein ausgesprochen lohnender Umweg – und mit rund 120 km östlich von Fès ein unkomplizierter.

Ein wenig Geschichte

Taza existiert wegen einer Lücke in den Bergen. Hier berühren sich das Rif im Norden und der Mittlere Atlas im Süden beinahe und lassen nur einen wenige Kilometer breiten Korridor frei – die Pforte von Taza –, die jahrhundertelang der einzige bequeme Weg zwischen dem östlichen Algerien und den atlantischen Ebenen Marokkos war. Heere, Karawanen und später die Eisenbahn wurden alle hier durchgeleitet.

Wer Marokko vom Osten aus beherrschen wollte, musste zuerst Taza nehmen. Aus einem Militärlager des 10. Jahrhunderts wuchs eine Siedlung; 1074 nahmen die Almoraviden die Stadt, 1132 die Almohaden, 1248 die Meriniden – jede Dynastie machte hier Halt, bevor sie auf Fès vorrückte. Der almohadische Kalif Abd al-Mu'min nutzte den Ort als Basis und gründete um 1142 die Große Moschee. Die Meriniden erweiterten die Moschee und errichteten eine Medersa; die alawitischen Sultane ließen die Mauern instand setzen. 1914 nahmen die Franzosen die Stadt ein und legten unten in der Ebene ein neues Viertel an – weshalb Taza heute eigentlich zwei Städte ist: die Medina auf ihrem Bergrücken in etwa 585 m Höhe und die ville nouvelle rund 140 m tiefer.

Diese ganze Geschichte ist noch ablesbar. Der Mauerring, die Tore, die Moschee und die alten Souk-Gassen sind im Wesentlichen die mittelalterliche Stadt – bewohnt, nicht für Besucher restauriert.

Restaurierte Stadtmauern an Bab Jemaa, einem der Tore in der Mauer um die Altstadt von Taza.

Restaurierte Stadtmauern an Bab Jemaa, einem der Tore in der Mauer um die Altstadt von Taza.

Was Sie sehen sollten

Tazas Sehenswürdigkeiten sind wenige und ungewöhnlich leicht zu verbinden: Die Medina ist klein, und fast alles liegt an einer einzigen Achse auf dem Höhenrücken.

Die Große Moschee

In den 1140er-Jahren von den Almohaden gegründet, ist dies die älteste erhaltene Almohaden-Moschee Marokkos, in den 1290er-Jahren von den Meriniden erweitert. Im Inneren hängt ein gewaltiger Bronzelüster, den Sultan Abu Yaqub Yusuf 1294 stiftete – etwa 2,5 m im Durchmesser, rund drei Tonnen schwer, einst mit mehr als fünfhundert Öllampen bestückt und der größte seiner Art, der in Nordafrika erhalten ist. Wie fast überall in Marokko dürfen nicht muslimische Besucher nicht hinein, doch die Türen zur Straße sind schön und oft geöffnet, und von der Schwelle aus können Sie den Blick durch die Arkaden schweifen lassen. Gehen Sie die Gassen rundherum ab, um die Ausmaße zu erfassen.

Die Mauern und Bab er-Rih

Die Medina ist noch von ihren alten Wehrmauern umgeben, und der Spaziergang entlang dieser Mauern ist das eigentliche Vergnügen in Taza. Am Nordende blickt Bab er-Rih – das Tor des Windes – über das Tal, die Olivenhaine und, bei klarem Wetter, auf der einen Seite das Rif und auf der anderen den Mittleren Atlas. Oben auf dem Rücken geht es eben weiter, mit niedrigen Mauern zum Anlehnen und reichlich Schatten am späten Nachmittag.

Bab Jemaa und die Aussichtspunkte im Süden

Bab Jemaa ist das Tor auf der Südseite, wo die Mauer zur Neustadt hin abfällt. Von der nahen Avenue Bir Anzaren haben Sie das beste Panorama der Stadt: Dächer, die zur Ebene hin abfallen, dahinter Ackerland, im Hintergrund die Berge. Das Tor selbst hat an seiner Unterseite eine Treppe – schön anzusehen, weniger schön zu steigen; beachten Sie dazu den Hinweis in unserem Tipp-Abschnitt.

Die Souks, die Andalous-Moschee und die Medersa

Zwischen den beiden Enden des Höhenrückens verläuft die alte Marktstraße mit der Marktmoschee, Gewürz- und Getreidehändlern und den Brotbacköfen. Etwas weiter stehen die Andalous-Moschee und eine kleine merinidische Medersa. Das ist ein alltäglicher marokkanischer Souk: Gemüse, Oliven, Plastikeimer, Minze. Donnerstag ist der große Markttag, wenn die Dorfbewohner aus den Bergen kommen – der lebhafteste Morgen der Woche und der betriebsamste zum Gehen.

Einer der Straßeneingänge zur Großen Moschee von Taza.

Einer der Straßeneingänge zur Großen Moschee von Taza.

Ein Tagesausflug in die Umgebung: Nationalpark Tazekka

Eine halbe Stunde südlich der Stadt steigt die Straße in den Nationalpark Tazekka hinauf, 1950 gegründet und heute der Hauptgrund, warum viele Marokkaner Taza überhaupt kennen. Es ist eine andere Welt als die Ebene: Korkeichen- und Zedernwald, Kalkhochflächen, Hirten und Ausblicke, die sich an jeder Kurve plötzlich auftun.

Drei Stationen ergeben einen entspannten Tag, alle auf asphaltierter Straße erreichbar – mit Mietwagen samt Fahrer oder einem ausgehandelten Grand Taxi:

  • Bab Boudir, ein kleines Bergdorf etwa 34 km von Taza entfernt, ist das Tor zum Park und ein guter Ort für eine Teepause zwischen den Bäumen.
  • Daya Chiker, gleich dahinter, ist ein weites, flachbödiges Kalkbecken – ein Polje –, von Hügeln umringt und mit Feldern und Pappeln bestanden. Im Herbst färben sich die Pappeln golden, im Frühling ist der Talboden grün. Gehen muss man kaum, und die Vogelwelt ist großartig.
  • Die Höhle von Friouato, rund 30 km südlich von Taza, ist mit knapp 270 m einer der tiefsten bekannten Hohlräume Afrikas. Nach einem tödlichen Steinschlag war sie ein Jahrzehnt geschlossen und wurde Ende Juli 2026 nach umfangreichen Sicherungsarbeiten wieder für die Öffentlichkeit geöffnet – mit neuer Beleuchtung und kostenpflichtigen Führungen.

Seien Sie bei Friouato realistisch. Auch nach den Verbesserungen bedeutet der Weg zum Höhlenboden eine lange, steile Treppe hinunter in einen riesigen offenen Schacht – und den ganzen Weg wieder hinauf. Viele Besucher gehen nur bis zum Rand, schauen in den Schlund der Tiefe hinab und lassen es dabei bewenden – was ehrlich gesagt völlig ausreicht. Fragen Sie Ihren Führer, wie die Bedingungen heute sind, bevor Sie hinabsteigen, und fühlen Sie sich nicht verpflichtet, bis zum Ende zu gehen.

Sonnenuntergang über dem Tal von Daya Chiker bei Bab Boudir, mit Schwarzpappeln in Herbstfarben und einer Herde auf dem Heimweg.

Sonnenuntergang über dem Tal von Daya Chiker bei Bab Boudir, mit Schwarzpappeln in Herbstfarben und einer Herde auf dem Heimweg.

Ehrliche Tipps für bequemes Reisen

  • Schlafen Sie in der ville nouvelle und besuchen Sie die Medina mit dem Taxi. Die Hotels drängen sich in der Neustadt rund um die Place de l'Indépendance, auf flachem Grund in der Nähe von Cafés, Banken und Essen. Die Medina liegt einige Kilometer entfernt und ein paar hundert Meter höher. Nehmen Sie ein günstiges Petit Taxi hinauf zu Bab er-Rih oder zur Moschee, gehen Sie den Höhenrücken in der Ebene ab und fahren Sie mit einem weiteren Taxi hinunter. Diese eine Entscheidung nimmt einem Besuch in Taza fast jede Anstrengung.
  • Die Altstadt ist an den Rändern steil, in der Mitte flach. Auf dem Höhenrücken geht es leicht und meist gepflastert voran. Die Steigungen liegen an den Zuwegen und an den Toren – besonders Bab Jemaa hat an seiner Unterseite eine Treppe. Bitten Sie ein Taxi, Sie oberhalb jenes Tores abzusetzen, das Sie sehen möchten.
  • Die Untergründe sind uneben. Kopfsteinpflaster, abgetretener Stein, hier und da schadhafte Platten und keine Handläufe in den Gassen. Schuhe mit gutem Grip sind hier wichtiger als in den großen Touristenstädten; ein Wanderstock ist wirklich hilfreich.
  • Zwei halbe Tage sind besser als ein langer. Medina und Stadtmauern am späten Nachmittag, wenn es abkühlt und das Licht schön wird; die Berge am nächsten Morgen.
  • Meiden Sie Juli und August. Die Sommer in Taza sind hart: Die Höchstwerte im Juli liegen im Mittel bei etwa 36 °C, in den letzten Jahren wurden 46 °C gemessen, und auf den Mauern gibt es kaum Schatten.
  • Wenig Englisch, etwas Französisch. Grundkenntnisse in Französisch, eine Übersetzungs-App und die schriftliche Hoteladresse bringen Sie weit. Der Tourismus ist hier dünn – das ist der Charme und gleichzeitig die praktische Herausforderung.
  • Nehmen Sie mit, was Sie brauchen. Apotheken und Geldautomaten finden Sie in der Neustadt, nicht in der Medina. Tragen Sie Wasser, einen Hut und Ihre Medikamente bei sich.
  • Überlegen Sie, für den Park-Tag einen Wagen mit Fahrer zu mieten. Zur Höhle und zu den Seen gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, die Straßen sind kurvig, und ein Fahrer, der auf Sie wartet, ist weitaus angenehmer als Improvisieren.

Die Unterseite von Bab Jemaa und ihre Treppe; die Altstadt liegt auf dem Hügel, die Neustadt unten in der Ebene.

Die Unterseite von Bab Jemaa und ihre Treppe; die Altstadt liegt auf dem Hügel, die Neustadt unten in der Ebene.

Was Sie essen sollten

Taza ist kein Restaurant-Ziel, und genau das macht einen Teil seines Reizes aus: Sie essen, was die Stadt isst, in einfachen Lokalen am und um den Hauptplatz der Neustadt – zu Preisen, die jeden überraschen, der aus Fès oder Marrakesch kommt.

Halten Sie Ausschau nach Rfissa, einem Gericht aus Hähnchen und Linsen, duftend nach Bockshornklee, serviert auf zerrissenen Msemen-Fladen – ein regionaler Favorit und für viele das Beste, was auf einen Tisch in Taza kommt. Tajines setzen hier auf lokale Erzeugnisse: Lamm aus den Bergen, Hähnchen mit Salzzitrone und Oliven, je nach Saison Quitten oder Trockenpflaumen. Harira, die Suppe aus Tomaten und Linsen, wird abends serviert und ist leicht für einen müden Magen.

Das Land um Taza ist Oliven- und Bienenland. Olivenöl wird vor Ort gepresst und großzügig ausgegossen, und Berghonig von den Hängen des Tazekka ist ein echter lokaler Stolz – im Souk in wiederverwendeten Gläsern verkauft, dick und dunkel, und ein gutes Geschenk für daheim. Das Frühstück besteht aus Brot, Olivenöl, Honig und Pfefferminztee; allein dafür lohnt sich das Aufstehen.

Eine Einschränkung: Tazas Küchen sind klein und lassen sich Zeit. Bestellen Sie einfach, erwarten Sie keine englische Speisekarte und planen Sie mehr Zeit ein als zu Hause.

Anreise

Taza liegt direkt an der Achse Fès–Oujda und ist sowohl über die Hauptstraße als auch über die Bahn erschlossen – das macht es zu einer der leichter erreichbaren marokkanischen Kleinstädte ohne eigenes Auto.

Nächste Flughäfen Fès–Saïss (FEZ), rund 130–140 km westlich, etwa 1,5–2 Stunden auf der Straße. Oujda Angads (OUD) liegt rund 220–240 km östlich, etwa 2,5–3 Stunden entfernt. Casablanca ist das wichtigste Tor für Langstreckenflüge, etwa 4–5 Stunden mit dem Zug plus Anschluss.
Mit der Bahn ONCF-Züge verbinden Fès und Taza in etwa 2 bis 2,5 Stunden, mehrmals täglich, und fahren weiter östlich nach Oujda. Der Bahnhof liegt in der Neustadt, auf flachem Grund. Das ist die sanfteste Art anzukommen.
Auf der Straße Etwa 120 km von Fès, rund 1,5 Stunden mit dem Auto über die N6 oder die parallel verlaufende Autobahn. CTM-Busse brauchen für die Strecke etwa 2 Stunden, und Sammel-Grand-Taxis fahren ab, wenn sie voll sind.
Vor Ort unterwegs Petit Taxis sind zwischen Neustadt und Medina günstig und reichlich vorhanden. Für den Nationalpark Tazekka mieten Sie einen Wagen mit Fahrer oder handeln ein Grand Taxi für den Tag aus.
Beste Monate April bis Anfang Juni sowie Mitte September bis November. Oktober und November sind in den Bergen wunderschön. Die Winter sind kühl und feucht, mit Schnee in den Höhen; Juli und August sind erbarmungslos heiß.
Aufenthaltsdauer Eine Nacht für Medina und Stadtmauern; zwei Nächte, wenn Sie einen ganzen Tag im Nationalpark möchten.
Währung Marokkanischer Dirham (MAD). Nehmen Sie Bargeld für den Souk und die Berge mit; Geldautomaten gibt es in der Neustadt, und Karten werden nur an wenigen Stellen akzeptiert.

Fernblick auf Taza von der Straße RN29 aus, von Süden kommend.

Fernblick auf Taza von der Straße RN29 aus, von Süden kommend.

Unser Fazit

Taza wird Ihnen nicht die Sinnesflut von Fès oder die fotogene Gelassenheit von Chefchaouen schenken. Was es schenkt, ist seltener: eine marokkanische Stadt mit 150.000 Einwohnern, die sich einen mittelalterlichen Kern auf dem Hügel bewahrt hat, eine Moschee von echtem historischem Gewicht und einen Mauerweg mit zwei Gebirgszügen am Horizont – und die einen ausländischen Besucher eher als Kuriosität behandelt denn als Kunden.

Reisenden über 60 empfehlen wir die Stadt mit einer einzigen Bedingung von Herzen: Bleiben Sie unten im flachen Teil, in der Neustadt, und lassen Sie die Taxis das Steigen übernehmen. Tun Sie das, und Taza wird ein leichter, entspannter Zwischenstopp – ein späterer Nachmittag auf den Stadtmauern, ein Teller Rfissa, ein Morgen zwischen den Korkeichen des Tazekka – der sich bestens in die Reise zwischen Fès und dem Osten oder der Rif-Küste einfügt.

Fahren Sie jetzt, solange die Höhle neu geöffnet ist und der Souk noch Eimer verkauft statt Souvenirs.

Blick nach Süden über die Stadt Taza von der Avenue Bir Anzaren.

Blick nach Süden über die Stadt Taza von der Avenue Bir Anzaren.

„Taza bewacht den Pass, und der Pass hält Taza still.“


Bildnachweise

Dieser Reiseführer wurde aus dem Englischen übersetzt. English version. Über diesen Reiseführer: erstellt aus öffentlichen Quellen (Tourismusbüros, Websites von Parks und Verkehrsbetrieben) mit Hilfe von KI-Werkzeugen, die wichtige Fakten vor der Veröffentlichung prüfen. Preise, Öffnungszeiten und Zugang können sich ändern: Bitte prüfen Sie sie vor der Reise bei der offiziellen Quelle. Etwas veraltet? Schreiben Sie uns (auf Englisch). Wie unsere Reiseführer entstehen.

Weiterlesen

Das könnte Ihnen auch gefallen