Rissani: Stilles Tor zu Marokkos Wüstenvergangenheit
Eine staubige Oasenstadt am Rand der Sahara, wo einst eine große Karawanenstadt stand und Marokkos Königsdynastie begann. Flach, freundlich und schonend für die Beine.
Die meisten Reisenden fahren durch Rissani hindurch, ohne anzuhalten. Die Reisebusse rollen die N13 entlang, die Palmenhaine flackern am Fenster vorbei, und alle Blicke richten sich auf die Dünen des Erg Chebbi, eine weitere Stunde südlich. Schade eigentlich – denn Rissani ist der Grund dafür, dass zu diesen Dünen überhaupt eine Straße führt.
Das Städtchen in der Provinz Errachidia, in der Region Drâa-Tafilalet, liegt auf rund 760 m Höhe am nördlichen Rand der Sahara. Es hat vielleicht zwanzigtausend Einwohner, einen Markt, der an drei Vormittagen pro Woche die Gassen füllt, und – eine kurze Fahrt entfernt, draußen in den steinigen Feldern – die Ruinen von Sijilmasa, einer Stadt, durch die einst das Gold floss, das aus dem Süden über die Wüste kam.
Für Reisende über 60 hat Rissani noch einen ganz praktischen Reiz: Es ist flach. Keine Anstiege, keine Treppen, keine gepflasterten Rampen. Die Anstrengung heißt hier Hitze und Staub, nicht Steigung – und beides lässt sich gut bewältigen, wenn Sie in den richtigen Monaten kommen.
Ein wenig Geschichte
Die Geschichte beginnt mit Sijilmasa, im achten Jahrhundert am Ziz gegründet, genau dort, wo die Oase endet und die Wüste beginnt. Jahrhundertelang war die Stadt einer der großen Endpunkte des Transsaharahandels: Aus dem Süden kamen die Karawanen mit Gold und Salz herauf, und das hier veredelte Gold fand schließlich seinen Weg in europäische Münzen.
Im vierzehnten Jahrhundert zerfiel Sijilmasa an inneren Fehden. Unter den Alaouiten erlebte es noch einmal eine Blüte, wurde aber Anfang des neunzehnten Jahrhunderts endgültig zerstört. Geblieben sind verstreute, verwitterte Mauern und Hügel in den Feldern nördlich von Rissani – unscheinbar anzusehen, aber von enormer Bedeutung. Rissani selbst erbte den Karawanenhandel und wurde zur Hauptstadt des Tafilalt.
Der zweite Erzählstrang ist dynastisch. Die Familie der Alaouiten, Scherifen, die ihre Abstammung auf den Propheten zurückführen, ließ sich im Tafilalt nieder und begründete hier ihre Macht, bevor sie im siebzehnten Jahrhundert Marokko einte. Ihr Vorfahre Moulay Ali Cherif liegt am südlichen Rand von Rissani begraben. Mit anderen Worten: Die Familie, die Marokko heute regiert, stammt aus dieser staubigen Marktstadt – den Marokkanern ist das bestens bekannt, auch wenn ausländische Besucher es meist nicht wissen.
Es gibt noch eine dritte, stillere Schicht. Im Tafilalt lebte über lange Zeit eine jüdische Gemeinde, und Rissani ist mit der Rabbinerfamilie Abuhatzeira verbunden. Am Ortsrand ist ein restaurierter Friedhof erhalten.
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Das Zentrum für Studien und Forschung zur Alaouiten-Dynastie in Rissani.
Was es zu sehen gibt
Rissanis Sehenswürdigkeiten liegen eher weit verstreut als dicht gedrängt – das passt gut zu einem entspannten Tag.
Das Mausoleum von Moulay Ali Cherif
Gleich südlich des Zentrums liegt das spirituelle Herz des Tafilalt, ein Ort, dem die Marokkaner mit echter Ehrfurcht begegnen. Nichtmuslimische Besucher dürfen die Grabkammer selbst nicht betreten, sind im Gartenhof aber in der Regel willkommen: schattig, ruhig und wunderschön gepflegt. Kleiden Sie sich zurückhaltend und treten Sie für Betende beiseite; meist findet sich eine Bank im Schatten, und es gibt keinen Grund zur Eile.
Ksar Oulad Abdelhalim
Eine kurze Fahrt außerhalb der Stadt steht der eindrucksvollste der örtlichen Ksour – ein befestigter Lehmziegelpalast mit sehr hohen Wehrmauern und einem prächtigen Tor, Ende des neunzehnten Jahrhunderts für einen königlichen Gouverneur erbaut. Vieles ist unrestauriert und zerfällt, und genau das macht den Reiz aus. Betrachten Sie ihn von außen und treten Sie in den Innenhof; verzichten Sie auf obere Stockwerke und brüchige Treppen.
Die Ksour-Rundfahrt
Ein ausgeschilderter Rundweg von etwa 20 km zweigt westlich der Stadt von der Straße ab und führt durch die Palmenhaine an einem Dutzend Ksour vorbei – manche verfallen, manche noch bewohnt. Mit einem einheimischen Fahrer ist das eine wunderbare, gemächliche Fahrt, mit Stopps rund zwei Stunden. So begreift man das Tafilalt am besten: nicht als ein einzelnes Monument, sondern als ganze bewässerte Landschaft ummauerter Dörfer.
Die Ruinen von Sijilmasa
Seien Sie ehrlich zu sich selbst, was die Erwartungen angeht. Hier stehen niedrige, verwitterte Mauern im offenen Gelände, kein römisches Forum. Doch dort zu stehen, wo einst die Goldkarawanen abluden, auf der einen Seite die Palmerie, auf der anderen die Geröllebene – das sind zwanzig Minuten allemal wert.
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Das Mausoleum von Moulay Ali Cherif in Rissani, dem Stammvater der Alaouiten-Dynastie.
Markttage
Rissanis Souk ist nicht für Besucher inszeniert – und darin liegt sein ganzer Charme. Traditionell findet er dienstags, donnerstags und sonntags statt, doch es lohnt sich immer, vor Ort nachzufragen, bevor Sie Ihre Pläne danach ausrichten, denn die Termine können sich verschieben.
Der Markt kommt am Vormittag in Schwung und wird im Lauf des Nachmittags ruhiger. Unter den überdachten Gassen finden Sie Gewürze, Berge von Datteln, Oliven, getrocknete Rosen, Brot, Decken, gebrauchtes Werkzeug und die Leder- und Ziegenfellarbeiten, für die die Stadt bekannt ist. Draußen binden die Bauern ihre Esel an – ein regelrechter Eselparkplatz –, und in der Viehabteilung werden Schafe, Ziegen und Maultiere gehandelt; früh am Tag geht es dort lebhafter zu.
Ein praktischer Hinweis: Der Boden ist stellenweise uneben, die Gassen sind eng, und an geschäftigen Vormittagen teilen Sie sich den Platz mit Schubkarren und Mopeds. Kommen Sie früh, nehmen Sie ruhig jemanden am Arm, und weichen Sie in die Dattelabteilung aus, wenn Sie einen Moment stehen bleiben möchten.
Alltagsleben im Zentrum von Rissani.
Ein Tagesausflug in die Umgebung
Der naheliegende und völlig berechtigte Ausflug führt nach Süden zu Merzouga und den Dünen des Erg Chebbi, rund 40 km entfernt, etwa 45 Minuten bis eine Stunde Fahrt. Es sind jene hohen, aprikosenfarbenen Dünen, die auf jedem Foto der marokkanischen Sahara zu sehen sind – und sie halten, was die Bilder versprechen.
Sie müssen weder auf ein Kamel steigen noch im Zelt übernachten, um sie zu genießen. Viele Reisende über 60 sind am glücklichsten, wenn sie sich am späten Nachmittag an den Rand des Ergs fahren lassen, bei einem Glas Tee sitzen, während sich das Licht verwandelt, und anschließend in ein bequemes Bett zurückkehren. Wenn Sie in die Dünen hinein möchten, ist eine Geländewagentour weit schonender für Rücken und Hüften als ein Kamelritt.
Etwa 7 km hinter Merzouga liegt Khamlia, ein Dorf, das für seine Gnawa-Musik bekannt ist und dessen Gemeinschaft von Menschen abstammt, die einst über die Wüste nach Norden gebracht wurden. Die Musiker dort empfangen Besucher zu einem kurzen Auftritt und einem Glas Tee, im Inneren und vor der Sonne geschützt – eine unbeschwerte, bewegende Stunde.
In der anderen Richtung liegt Erfoud, nur etwa 20 km nördlich, bekannt für seine Werkstätten, in denen der fossilhaltige Marmor der Region geschnitten und poliert wird.
Was man essen sollte
Rissanis Spezialität ist Medfouna, oft als „Berberpizza“ übersetzt – ein rundes Fladenbrot, gefüllt mit Hackfleisch, Zwiebeln, Mandeln, Kräutern und Gewürzen, verschlossen, gebacken und dann in Stücke geschnitten. Es wird vor allem mit diesem Winkel des Drâa-Tafilalet verbunden, ist weich, reichhaltig und angenehm zu essen. Bestellen Sie eine zum Teilen für zwei; ein ganzer Laib überfordert die meisten Appetite.
Und dann sind da die Datteln. Das Tafilalt ist eine der großen Dattelanbau-Oasen Marokkos, und die Sorten, die im Souk angeboten werden, gehen weit über die Medjool-Datteln hinaus, die man von zu Hause kennt. Ein Dattelfestival findet in der Regel um den Oktober herum statt, nach der Ernte. Kaufen Sie ein kleines Tütchen an einem Stand, an dem Sie vorher probieren dürfen.
Ansonsten erwarten Sie die verlässlichen Klassiker: Harira-Suppe, Lamm- oder Gemüsetagine, Spieße vom Holzkohlegrill, rundes Khobz-Brot und sehr viel süßer Minztee. Bitten Sie ruhig um Tee „mit weniger Zucker“, wenn Ihnen das lieber ist – die Küchen hier sind das durchaus gewohnt. Trinken Sie nur Wasser aus Flaschen.
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Medfouna oder „Berberpizza“, serviert mit Minztee in einem Restaurant bei Merzouga.
Ehrliche Tipps für bequemes Reisen
- Das größte Hindernis ist die Hitze, nicht das Gelände. Im Sommer werden in Rissani häufig Höchstwerte von gut 40 Grad Celsius erreicht, und der Juli kann brutal sein. Etwa von Oktober bis April sind die Tagestemperaturen angenehm, und die Wüste ist wirklich komfortabel.
- Die Nächte werden kalt. Im Winter können die Tiefstwerte auf etwa 5 °C sinken. Nehmen Sie ein Fleece und eine warme Schicht mit, auch wenn sich der Nachmittag wie Sommer anfühlte.
- Die Stadt ist flach. Keine Hügel, keine langen Treppen. Bei den Ksour und dem Mausoleum geht es ums Laufen auf unebenem, sandigem oder kiesigem Boden, nicht ums Steigen.
- Nehmen Sie für die Ksour-Rundfahrt und Sijilmasa einen einheimischen Fahrer. Die Stätten verteilen sich über mehrere Kilometer schattenloser Straße, und ein Wagen mit Fahrer für einen halben Tag macht aus einem ermüdenden Fußmarsch einen entspannten Ausflug.
- Wo übernachten. Viele Reisende nehmen Quartier in Erfoud (etwa 20 km nördlich, mit größerer Auswahl an komfortablen Hotels) oder in einem Hotel bei den Dünen von Merzouga und besuchen Rissani an einem Marktvormittag. In Rissani selbst zu übernachten ist durchaus möglich und bringt Sie auf wenige Schritte an den Souk heran, doch das Angebot an Unterkünften ist kleiner.
- Rechnen Sie mit freundlicher Hartnäckigkeit. Rund um die Bushaltestelle und den Markt werden Sie vielleicht von Führern und Schleppern angesprochen. Ein Lächeln und ein bestimmtes „la, shukran“ (nein, danke) genügen völlig.
- Staub und Sonne. Sandiger Wind ist häufig. Sonnenbrille, Hut mit Krempe, ein leichter Schal und guter Sonnenschutz sind hier wichtiger als irgendwo sonst in Marokko.
- Vernünftiges Schuhwerk. Geschlossene Schuhe mit Profil, keine Sandalen: Der Boden im Souk und bei den Ruinen ist grobkörnig und uneben.
- Apotheken und ein Krankenhaus gibt es vor Ort, doch für Ernsteres stehen die größeren Einrichtungen in Errachidia bereit, etwa 90–100 km nördlich. Führen Sie Ihre regelmäßigen Medikamente am Körper mit, nicht im aufgegebenen Gepäck.
Anreise
| Nächste Flughäfen | Errachidia (ERH), rund 95–100 km nördlich, etwa 1,5 Stunden Fahrt, mit Inlandsflügen ab Casablanca. Ouarzazate und Fès sind die nächsten Möglichkeiten, beide mit einer langen Autofahrt verbunden. |
| Auf der Straße | Von Erfoud etwa 20 km (20–30 Minuten); von Merzouga etwa 40 km (45 Minuten bis eine Stunde); von Errachidia etwa 95 km (1,5 Stunden). Von Fès oder Marrakesch müssen Sie mit einem ganzen Fahrtag rechnen, mit Stopps meist 8–10 Stunden; CTM betreibt zudem Fernbusse, darunter eine Nachtverbindung ab Fès. |
| Beste Monate | Oktober bis April. März–April und Oktober–November sind ideal. Meiden Sie Juni bis August. |
| Aufenthaltsdauer | Ein ganzer Tag für Rissani selbst, idealerweise ein Marktvormittag; zwei bis drei Nächte, wenn Sie es mit Merzouga und den Dünen verbinden. |
| Währung | Marokkanischer Dirham (MAD). Im Souk ist Bargeld unerlässlich; Geldautomaten gibt es in der Stadt, bringen Sie aber eine Reserve aus Erfoud oder Errachidia mit. |
| Sprache | Marokkanisches Arabisch und Tamazight; Französisch wird weithin verstanden, Englisch außerhalb des Tourismus weniger. |
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Das Stadttor, durch das die Hauptstraße von Westen nach Rissani hineinführt.
Unser Fazit
Rissani wird Sie nicht so verzaubern wie Fès oder Chefchaouen. Es gibt keine blaue Medina, keine fotogene Skyline, keine Warteschlange vor einem berühmten Ausblick. Was die Stadt stattdessen bietet, ist Tiefe: einen Markt, auf dem seit den Zeiten der Karawanen gehandelt wird, ein Mausoleum, das erklärt, woher das moderne Marokko kommt, und einen Horizont aus verfallenen Lehmfestungen, die in den Palmenhainen stehen.
Und sie ist schlicht einer der Orte im Süden Marokkos, an denen man sich am leichtesten bewegen kann, wenn die Knie nicht mehr die alten sind. Flache Straßen, kurze Wege, ein Auto für die Lücken dazwischen – und freie Nachmittage für einen schattigen Innenhof und eine Kanne Tee.
Wenn Sie ohnehin zu den Dünen von Merzouga unterwegs sind – und das sind die meisten Besucher dieser Region –, dann kostet Sie Rissani einen halben Tag und schenkt Ihnen die Geschichte hinter allem anderen, was Sie noch sehen werden. Kommen Sie an einem Marktvormittag, zwischen Herbst und Frühjahr. Behandeln Sie den Ort nicht als Tankstopp.
„Wo die Palmenhaine enden und die Goldstraße beginnt, führt eine Marktstadt die ältesten Rechnungen der Wüste.“
Bildnachweise
- Panoramablick in Rissani: Hmidanix, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
- Rissani-Sahara-Morocco-jleitao: Original uploader was Joaoleitao at Wikitravel Joaoleitao at English Wikipedia, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
- MAUSOLÉE MOULAY ALI CHERIF -rissani -maroc: Houssain tork, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
- Rissani life 20100502: Jan Pešula, Public domain via Wikimedia Commons
- Medfouna or Berber Pizza at a local restaurant near Merzouga, Errachidia, Morocco: Karima El Youbi, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
- Rissani City Gate 2011: Bjørn Christian Tørrissen, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Dieser Reiseführer wurde aus dem Englischen übersetzt. English version. Über diesen Reiseführer: erstellt aus öffentlichen Quellen (Tourismusbüros, Websites von Parks und Verkehrsbetrieben) mit Hilfe von KI-Werkzeugen, die wichtige Fakten vor der Veröffentlichung prüfen. Preise, Öffnungszeiten und Zugang können sich ändern: Bitte prüfen Sie sie vor der Reise bei der offiziellen Quelle. Etwas veraltet? Schreiben Sie uns (auf Englisch). Wie unsere Reiseführer entstehen.