Oujda: entspannt durch Marokkos stille Hauptstadt im Osten

Flache Straßen, eine kleine Medina zu Fuß und fast keine Touristenmassen: Oujda ist die marokkanische Großstadt, die sich am leichtesten langsam erkunden lässt – so genießen Sie sie.

Es gibt eine ganz besondere Art von Müdigkeit, die vom Touristsein kommt. Hände, die nach Ihrem Ärmel greifen, Preise, die sich ändern, sobald Sie den Mund aufmachen, das Gefühl, eine wandelnde Geldbörse zu sein. Wer schon einmal in Marokko unterwegs war, kennt das. Und falls diese Erinnerung Sie zögern lässt, noch einmal hinzufahren, möchten wir Ihnen behutsam den Osten des Landes empfehlen.

Oujda liegt im äußersten Nordosten Marokkos, rund 15 km von der algerischen Grenze und etwa 55 km südlich des Mittelmeers. Es ist die Hauptstadt der Region Oriental und eine Stadt mit etwa einer halben Million Einwohnern – und doch kommt kaum jemand zum Sightseeing hierher. Die Besucher sind meist marokkanische Familien und Reisende mit Wurzeln in der Region, die nach Hause kommen. Niemand im Souk hat eine Rede für Sie vorbereitet.

In der Praxis heißt das: eine marokkanische Stadt, die Sie in Ihrem eigenen Tempo durchwandern können. Die alte Medina ist klein und flach. Die Neustadt hat breite Gehwege und Orangenbäume. Die Menschen sind neugierig und nicht geschäftstüchtig, und die lokale Musik – Oujda ist ein Kernland des Raï – weht den ganzen Nachmittag aus den Cafétüren. Das ist nicht das Marokko der Postkarten. Es ist vielleicht das Marokko, in dem Sie wirklich zur Ruhe kommen.

Ein wenig Geschichte

Oujda wurde im Jahr 994 n. Chr. von Ziri ibn Atiyya, einem Anführer der Zenata-Berber, gegründet – am natürlichen Korridor zwischen dem Atlas und dem Mittelmeer. Dieser Korridor hat die Stadt gemacht: Jede Karawane, jedes Heer, jeder Händler zwischen Marokko und dem heutigen Algerien kam hier vorbei. Oujda wechselte häufig den Besitzer und wurde unter den Almoraviden und später den Meriniden befestigt und wieder aufgebaut – von den Meriniden stammt die Große Moschee der Stadt.

Das moderne Kapitel ist zwiespältiger. Französische Truppen besetzten Oujda 1907, und die breiten Boulevards, Arkaden und Balkone mit Fensterläden der Neustadt stammen aus den Jahrzehnten danach. Nach der Unabhängigkeit blieb die Stadt ein belebtes Tor nach Algerien – bis die Landgrenze in den 1990er-Jahren geschlossen wurde und seither geschlossen geblieben ist.

Wer diese Schließung versteht, versteht die heutige Stimmung in Oujda. Eine Stadt an der Wegkreuzung, hinter der eine Straße plötzlich versperrt war, wandte sich nach innen und wurde etwas Ruhigeres: eine Regionalhauptstadt, die für sich selbst, für ihre Universität, ihre Märkte und ihre Musik lebt, nicht für den Durchgangsverkehr. Für Reisende, die das gewöhnliche marokkanische Leben beobachten möchten, ohne Teil einer Menge zu sein, ist das ein Geschenk.

Bab El Gharbi, eines der Tore der Medina von Oujda.

Bab El Gharbi, eines der Tore der Medina von Oujda.

Was Sie sehen sollten

Die Sehenswürdigkeiten von Oujda sind bescheiden und liegen dicht beieinander – genau das macht die Stadt so angenehm. Das Wesentliche sehen Sie in eineinhalb Tagen, ohne jemals in Eile zu sein.

Die Medina und ihre Tore

Die Altstadt ist kompakt, noch teilweise von ihren Stadtmauern umgeben und über eine Handvoll historischer Tore zu betreten. Das bekannteste ist Bab Sidi Abdelouahab, das von der Neustadt direkt in die Gassen führt. Innen sind die Wege meist ebenerdig und breit genug, dass zwei Personen nebeneinander gehen können – ein echter Gegensatz zu den steilen, von Treppen durchzogenen Medinas von Fès oder Chefchaouen. Teppichschlepper gibt es hier nicht. Dafür einen Markt, der tatsächlich arbeitet: Gewürze, Oliven, Brot, Sandalen, Stoffballen.

Souk El Ma

Der alte Wassermarkt ist der atmosphärischste Winkel der Medina, ein kleiner Platz mit Ständen und überdachten Passagen, auf dem die Erzeugnisse der Region ankommen. Halten Sie Ausschau nach der blouza, dem farbenfrohen traditionellen Gewand der Frauen der Region Oriental – das ist hier das einzige wirklich lokale Souvenir.

Die Große Moschee und die alte Koranschule

Die Jamaa El Kebir, aus der Zeit der Meriniden, verankert die Medina mit ihrem schlanken Minarett. Wie überall in Marokko ist der Gebetssaal für nicht muslimische Besucher nicht zugänglich, doch die umliegenden Gassen und der Hof der alten Koranschule gleich daneben zeigen Ihnen dieselbe stille Architektur: Kalkweiß, grüne Fliesen, ein Quadrat Himmel.

Dar Sebti

Ein ansehnliches Haus aus den 1930er-Jahren, erbaut für einen Kaufmann aus Fès, heute Kulturzentrum und kleines Museum in der Nähe der Place du 16 Août in der Neustadt. Ausstellungen und Konzerte kommen und gehen; der Grund hineinzugehen ist das Gebäude selbst, mit seinem Innenhof und den bemalten Holzarbeiten. Von den meisten zentralen Hotels ist es ein kurzer, flacher Spaziergang.

Die Parks Lalla Aïcha und Lalla Meriem

Oujda macht öffentliches Grün besser als die meisten marokkanischen Städte. Der in den 1930er-Jahren angelegte Park Lalla Aïcha erstreckt sich über etwa 17 Hektar mit Palmen, Eichen und Springbrunnen, breiten ebenen Wegen und vielen Bänken. Der Park Lalla Meriem ist kleiner und liegt nur wenige Hundert Meter von Bab Sidi Abdelouahab entfernt – ideal für die schattige Sitzpause, die Sie nach dem Souk brauchen werden.

Souk El Ma, der Platz des alten Wassermarkts in der Medina von Oujda.

Souk El Ma, der Platz des alten Wassermarkts in der Medina von Oujda.

Ein Nachmittag in der Neustadt

Lassen Sie die Stadt des 20. Jahrhunderts nicht aus. In den Straßen um den Boulevard Mohammed V und die Place du 16 Août verbringt Oujda seine Abende: Arkadengänge, Balkone in verblasstem Kolonialstil, Patisserien und Cafés, in denen die halbe Stadt gleichzeitig Kaffee zu trinken scheint.

Alles ist flach, gut beleuchtet und bequem. Suchen Sie sich gegen sechs Uhr abends eine Caféterrasse, bestellen Sie einen Minztee und schauen Sie einfach zu. Studenten auf dem Heimweg, Familien beim Eisessen, alte Männer, die über Fußball streiten. Das ist der Teil von Oujda, der in keinem Reiseführer steht und den jeder Besucher in Erinnerung behält.

Wenn Sie Ende Juli hier sind, füllt das Raï-Festival der Region Oriental die Stadt mit Open-Air-Konzerten. Es ist kostenlos und enorm beliebt – wunderbar, wenn Sie diese Musik lieben, und gut zu wissen, wenn Sie eher ruhige Nächte und einfache Hotelbuchungen möchten.

Straßen des alten französischen Viertels neben der Medina von Oujda.

Straßen des alten französischen Viertels neben der Medina von Oujda.

Ein Tagesausflug in die Umgebung

Saïdia am Mittelmeer ist der naheliegende Ausflug: rund 55 bis 60 km nördlich von Oujda, etwa eine Stunde Fahrt, mit etwa 14 km flachem goldenem Sand und einem Yachthafen. Sammeltaxis (grands taxis) und Busse fahren im Sommer ständig dorthin, und einen Wagen mit Fahrer für den Tag zu mieten ist unkompliziert. Der Strand ist wirklich weit und eben, die Promenade bequem zu gehen, und zum Mittagessen gibt es gegrillten Fisch. Im Juli und August ist es voll mit marokkanischen Urlaubern; im Juni oder September haben Sie lange Sandabschnitte fast für sich allein.

Näher an der Stadt liegt die Oase Sidi Yahya, nur etwa 6 km vom Zentrum entfernt – ein schattiger Hain aus Quellen und Bäumen rund um das Mausoleum des Stadtpatrons, ein Pilgerort mit einem Moussem im Spätsommer. Die Heiligtümer selbst sind Orte des Gebets und keine Sehenswürdigkeiten; was Besucher mitnehmen, sind der Schatten, das Wasser und der sanfte, ebene Spaziergang. Ein Taxi hin und zurück kostet sehr wenig.

Ehrliche Tipps für bequemes Reisen

  • Oujda ist flach. Die Stadt liegt auf einem Plateau in etwa 470 m Höhe, und sowohl die Medina als auch die Neustadt sind im Grunde eben. Keine Anstiege, keine Treppen zwischen den Vierteln, keine Kopfsteinrampen. Von allen größeren Städten Marokkos ist diese eine der knieschonendsten.
  • Wohnen Sie im Zentrum. Hotels rund um den Boulevard Mohammed V und die Place du 16 Août bringen Sie in flachen 10–15 Gehminuten zu den Medinatoren, zu Dar Sebti und zu den Parks. Verkehrsmittel brauchen Sie kaum.
  • Nehmen Sie die Sommerhitze ernst. Juli und August erreichen regelmäßig Mitte 30 Grad Celsius, und die Luft ist trocken. Wenn Sie dann kommen, betrachten Sie 11 bis 17 Uhr als Zeit für Innenräume: Genau dafür sind Cafés und Hotelhöfe da.
  • Im Winter brauchen Sie eine Jacke. In dieser Höhe können die Nächte von Dezember bis Februar richtig kalt werden, und ältere Hotels sind nicht immer gut geheizt. Fragen Sie bei der Buchung nach der Heizung.
  • Die Böden in der Medina sind uneben. Flach ja, aber mit abgetretenem Pflaster, gelegentlichen Abwasserrinnen und ohne Geländer. Flache Schuhe mit gutem Grip; ein Gehstock ist hier völlig normal.
  • Petits taxis sind billig und überall. Sie sind die einfache Antwort auf jede Strecke über einem Kilometer. Vereinbaren Sie den Preis oder bitten Sie vor der Abfahrt um das Taxameter.
  • Nehmen Sie Bargeld mit. Geldautomaten gibt es in der Neustadt reichlich, aber kleine Läden, Taxis und Marktstände nehmen nur Bargeld. Dirham lässt sich außerhalb Marokkos nicht leicht beschaffen.
  • Englisch sprechen nur wenige. Mit Französisch und Arabisch kommen Sie durch, und das Hotelpersonal hilft Ihnen. Lassen Sie sich im Hotel Adressen auf Arabisch aufschreiben – für die Taxifahrer.
  • Bringen Sie Ihre Medikamente mit. Apotheken sind gut und zahlreich, bestimmte Marken aber möglicherweise nicht vorrätig.

Die alten Mauern der Medina von Oujda, vom Aussichtspunkt aus gesehen.

Die alten Mauern der Medina von Oujda, vom Aussichtspunkt aus gesehen.

Was Sie essen sollten

Im Osten Marokkos wird etwas anders gekocht als an der Touristenküste, und Oujda ist der Ort, das zu probieren.

Die lokale Straßenspezialität ist karane, ein gebackener Flan aus Kichererbsenmehl und Ei, in dicke Scheiben geschnitten, ins Brot gelegt und mit Kreuzkümmel und Chili bestreut. Verkauft wird er an kleinen Luken und von Handkarren, gegessen wird er im Stehen, und in der ganzen Region Oriental wird er geliebt. Boubbouche – Schnecken, in einer Brühe aus Thymian, Anis und Süßholzwurzel geköchelt – werden an Winterabenden in kleine Schalen geschöpft; es geht um die Brühe, und die trinkt man.

Halten Sie in Restaurants Ausschau nach kefta mcharmla, gewürzten Hackbällchen in einer kräftigen Sauce, und nach den Grillgerichten, die die Region sehr gut beherrscht. Das Umland von Berkane, eine Stunde westlich, ist Zitrusland – Orangen und Clementinen sind in der Saison also außergewöhnlich.

Für etwas Süßes verkaufen die Patisserien an der Hauptgasse der Medina und in der Neustadt regionale Varianten von kaab el ghzal, dem mit Mandeln gefüllten Hörnchen, dazu Honiggebäck und Mandelzigarren. Nehmen Sie beides mit in ein Café, bestellen Sie einen Minztee – und Sie haben den hiesigen Rhythmus vollständig verstanden.

Anreise

Nächster Flughafen Oujda–Angad (OUD), etwa 12–15 km nördlich des Zentrums, rund 20 Minuten mit dem Taxi. Flüge nach Casablanca mit Royal Air Maroc, dazu saisonale und Billigverbindungen zu mehreren europäischen Städten.
Mit der Bahn Die ONCF fährt direkt von Fès (etwa 5½–6 Stunden) und Casablanca (etwa 10 Stunden, darunter eine Nachtverbindung), mit Anschlüssen von Tanger und Rabat. Der Bahnhof liegt in der Stadt, eine kurze Taxifahrt von den zentralen Hotels entfernt.
Auf der Straße Eine Autobahn verbindet Oujda nach Westen Richtung Fès (rund 5–6 Stunden mit dem Auto) und nach Nordwesten mit Nador (etwa 2 Stunden). Saïdia ist etwa eine Stunde entfernt; die algerische Landgrenze ist geschlossen.
Beste Monate April bis Anfang Juni und September bis Anfang November. Heiß und trocken im Juli/August; kühle bis kalte Nächte von Dezember bis Februar.
Aufenthaltsdauer Zwei Nächte für die Stadt; drei bis vier, wenn Sie Saïdia oder die Oase dazunehmen.
Währung Marokkanischer Dirham (MAD). Bargeld für Märkte und Taxis; Geldautomaten sind in der Neustadt leicht zu finden.

Unser Fazit

Oujda wird es an Schönheit nicht mit Marrakesch aufnehmen, und wer zum ersten Mal nach Marokko reist, würden wir nicht hierher schicken. Es gibt keine berühmten Riads, keine spektakuläre Lage, kein einzelnes unverzichtbares Monument.

Was es gibt, ist etwas Seltenes und – für viele Reisende über 60 – Wertvolleres: eine echte marokkanische Stadt, die flach, ruhig, günstig und vom Tourismus völlig unberührt ist. Sie können durch ihre Medina gehen, ohne dass Ihnen etwas verkauft wird. Sie können eine Stunde in einem Park sitzen, und niemand drängt Sie. Sie können für sehr wenig Geld gut essen, früh ins Bett gehen und von den Geräuschen einer Stadt aufwachen, die ihrem eigenen Leben nachgeht.

Kommen Sie für zwei oder drei unaufgeregte Nächte – vielleicht auf dem Weg zum oder vom Mittelmeer bei Saïdia – und lassen Sie Oujda den sanften Teil Ihrer Reise sein. Reisen muss nicht immer spektakulär sein. Manchmal muss es einfach nur freundlich sein.

Die alte Koranschule im Herzen der Medina von Oujda.

Die alte Koranschule im Herzen der Medina von Oujda.

„In Oujda wartet niemand darauf, Ihnen Marokko zu verkaufen – deshalb reicht die Stadt es Ihnen einfach.“


Bildnachweise

Dieser Reiseführer wurde aus dem Englischen übersetzt. English version. Über diesen Reiseführer: erstellt aus öffentlichen Quellen (Tourismusbüros, Websites von Parks und Verkehrsbetrieben) mit Hilfe von KI-Werkzeugen, die wichtige Fakten vor der Veröffentlichung prüfen. Preise, Öffnungszeiten und Zugang können sich ändern: Bitte prüfen Sie sie vor der Reise bei der offiziellen Quelle. Etwas veraltet? Schreiben Sie uns (auf Englisch). Wie unsere Reiseführer entstehen.

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