Mohammedia: Marokkos flache Küstenstadt in aller Ruhe

Eine ruhige Atlantikstadt zwischen Casablanca und Rabat: ebene Strandpromenade, frischer Fisch am Hafen und so gut wie keine Steigungen.

Die meisten Reisenden sehen Mohammedia nur aus dem Zugfenster. Die Strecke zwischen Casablanca und Rabat führt mitten durch die Stadt, und in den wenigen Minuten der Durchfahrt erhaschen Sie einen Blick auf Pinien, niedrige weiße Häuser und ein Aufblitzen des graublauen Atlantiks. Dann ist die Stadt vorbei, und alle fahren weiter an einen berühmteren Ort.

Wir möchten Ihnen vorschlagen, stattdessen auszusteigen. Mohammedia liegt etwa 24 Kilometer (rund 15 Meilen) nordöstlich von Casablanca und ist jenes seltene marokkanische Reiseziel, das Ihren Knien praktisch nichts abverlangt. Hier gibt es keine Medina am Hang, keine Treppe zu einem Aussichtspunkt, keine steile Gasse, in der das Taxi halten muss und Sie das letzte Stück zu Fuß gehen. Die Stadt ist flach, die Strandpromenade lang und eben, und die Hauptbeschäftigung besteht darin, sich mit einem Glas Minztee hinzusetzen, während der Ozean die Arbeit übernimmt.

Dies ist ein Arbeitshafen und eine Stadt mit knapp 200.000 Einwohnern, keine Postkarte. Genau darin liegt ihr Charme. Nach Mohammedia kommen marokkanische Familien, um einen Sonntag zu verbringen, und wenn Sie sich je ein paar Tage in Marokko ganz ohne Programm gewünscht haben, dann ist dies ein sehr guter Ort dafür.

Ein wenig Geschichte

Fast ihre ganze Geschichte hindurch hieß diese Stadt Fedala, ein Name, der meist als „Gottes Gabe“ übersetzt wird – eine treffende Beschreibung für eine so fischreiche Küste. Berichte über einen Handelsposten an dieser Stelle reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, als Handelsschiffe aus Genua und Venedig hier Getreide und Trockenfrüchte laden ließen; der kleine Hafen diente in den folgenden Jahrhunderten immer wieder als Ausfuhrplatz für Getreide.

Die Stadt, die Sie heute noch in Teilen sehen können, entstand ab 1773, als Sultan Sidi Mohammed ben Abdallah über der Reede eine Kasbah errichten ließ, mit einer Moschee und Lagerhäusern innerhalb der Mauern. Diese niedrigen Wehrmauern sind das Älteste in Mohammedia und der Grund dafür, dass das Fischerviertel genau dort liegt, wo es liegt.

Das 20. Jahrhundert veränderte alles. Unter dem französischen Protektorat entstand in den 1910er-Jahren ein moderner Hafen, und es folgten Villen, ein Golfplatz und ein Casino, als die wohlhabenderen Schichten Casablancas die Strände entdeckten. Im Juni 1960 wurde die Stadt zu Ehren von König Mohammed V. in Mohammedia umbenannt – an jenem Tag, an dem der Grundstein für die später größte Ölraffinerie Marokkos gelegt wurde. Fünfzig Jahre lang prägte die Raffinerie die Stadt; 2015 wurde sie geschlossen, und seither wendet sich Mohammedia ganz leise wieder seinen Gärten, seinem Sand und seinen Fischerbooten zu.

Fischer am Manesmane-Strand in Mohammedia, aufgenommen im Herbst.

Fischer am Manesmane-Strand in Mohammedia, aufgenommen im Herbst.

Was Sie sehen sollten

Nichts hier ist ein „Muss“. Betrachten Sie die folgende Liste als Speisekarte für drei entschleunigte Tage.

Die Corniche und die Strandpromenade

Das große Vergnügen von Mohammedia ist seine Strandpromenade. Sie verläuft eben neben dem Sand, gesäumt von Cafés, Eistheken und Bänken, und füllt sich am späten Nachmittag mit Familien, Kinderwagen und älteren Herren, die paarweise spazieren. Sie können so viel oder so wenig davon gehen, wie Sie mögen, und es gibt immer eine Sitzgelegenheit in weniger als hundert Metern Entfernung.

Die Kasbah und das alte Viertel

Die Kasbah aus dem 18. Jahrhundert steht nahe dem Hafen – eine bescheidene, von Mauern umgebene Anlage mit engen Gassen, kleinen Läden und einfachen Essstuben, kein großes Monument. Ein Bummel dauert eine halbe Stunde und lässt sich gut mit einem Blick auf die Fischerboote unterhalb verbinden. Der Boden im Inneren ist stellenweise unregelmäßig, flache Schuhe mit guter Sohle lohnen sich also.

Die Strände

Die Küste ist eine Kette von Stränden mit eigenen Namen – Monica, Sablettes, Miramar, Manesmane, Mimosa –, jeder mit seinem eigenen Publikum. Sablettes ist der Strand, den Surfer bevorzugen, was einiges über den Wellengang verrät; der Atlantik hat hier eine kräftige Strömung, und wir würden das Schwimmen als Entscheidung behandeln, die man nur dort trifft, wo Rettungsschwimmer aufpassen, und nur bei ruhigem Wasser. Für die meisten von uns sind die Strände zum Anschauen da, besonders in der letzten Stunde des Tageslichts.

Die Parks

Mohammedia ist für einen marokkanischen Hafen ungewöhnlich grün. Der Stadtpark und der Parc des Villes Jumelées (der Park der Partnerstädte) bieten beide Schatten, Wege und Sitzbänke wenige Minuten vom Meer entfernt – genau das, was man um zwei Uhr nachmittags braucht.

Der Golfplatz

Der Royal Golf Club de Mohammedia stammt aus den 1920er-Jahren und gehört zu den ältesten Plätzen Marokkos, angelegt zwischen Pinien in Küstennähe. Selbst wenn Sie nie einen Golfschläger anfassen: Er erklärt die alte Kurort-Atmosphäre der Stadt besser als alles andere.

Sonnenuntergang über dem Strand Sablettes in Mohammedia.

Sonnenuntergang über dem Strand Sablettes in Mohammedia.

Ein Tagesausflug in die Umgebung

Das Beste an Mohammedia ist vielleicht das, was links und rechts davon liegt. Der Bahnhof liegt an der Hauptstrecke Casablanca–Rabat, mit häufigen Zügen in beide Richtungen, und das macht die Stadt zu einem wirklich klugen Standquartier.

Casablanca ist mit dem Zug etwa 25 bis 35 Minuten entfernt. Fahren Sie am Morgen hin, besichtigen Sie die Hassan-II.-Moschee – der Waschsaal und der Gebetssaal sind nur bei Führungen zugänglich, mit etwas Gehen auf Marmor und einigen Stufen – und kommen Sie vor dem Abendverkehr zurück.

Rabat liegt in der anderen Richtung etwa 30 bis 45 Minuten entfernt. Die Hauptstadt ist ruhiger als Casablanca, und ihr Straßenbahnnetz macht die Entfernungen gut bewältigbar; die Kasbah der Udayas bedeutet allerdings eine Steigung und Stufen – teilen Sie sich diese also gut ein.

Näher gelegen: Familien mit Enkelkindern im Schlepptau fahren manchmal zum Dream Village, einem großen Freizeitpark mit Zoo zwischen Mohammedia und Casablanca, in der Nähe des Waldgebiets Cascades. Es ist eine kurze Autofahrt und ein flacher, bequemer Ausflug – allerdings ein langer in voller Sonne.

Ein Zug im Bahnhof von Mohammedia mit Ziel Rabat.

Ein Zug im Bahnhof von Mohammedia mit Ziel Rabat.

Ehrliche Tipps für bequemes Reisen

  • Die Stadt ist flach. Das ist der beste einzelne Grund, hierherzukommen. Rechnen Sie mit ebenen Gehwegen entlang der Strandpromenade und in den neueren Vierteln; unebene Untergründe gibt es vor allem in der Kasbah und rund um den Hafen.
  • Wohnen Sie in der Nähe der Corniche. Wenn Ihr Hotel oder Ihre Pension nur wenige Hundert Meter von der Promenade entfernt liegt, erreichen Sie Meer, Cafés und Restaurants ohne Taxi – das ist der Unterschied zwischen einer erholsamen und einer anstrengenden Reise.
  • Sand ist mühsamer, als er aussieht. Weicher, trockener Sand gibt unter den Füßen nach. Gehen Sie auf der Promenade und steigen Sie nur dort zum Strand hinab, wo es Stufen oder eine Rampe mit Handlauf gibt.
  • Achten Sie auf den Seewind. Selbst in den warmen Monaten frischt die Atlantikbrise am späten Nachmittag auf, und die Temperatur fällt schnell. Nehmen Sie jeden Tag eine leichte Jacke oder einen Schal mit.
  • Meiden Sie im Juli und August die Mittagsstunden. Abgesehen von der Hitze sind die Strände dann voll mit marokkanischen Urlaubern. Der frühe Morgen und die Zeit nach fünf Uhr sind die guten Stunden.
  • Taxis sind einfach und günstig. Die kleinen Stadttaxis fahren innerhalb der Stadt; vereinbaren Sie den Preis oder bitten Sie um das Taxameter, bevor es losgeht. Für den Bahnhof lassen Sie am besten Ihr Hotel eines rufen.
  • Züge sind bequem, aber nicht überall stufenfrei. An den Bahnsteigen können Treppen oder eine Fußgängerbrücke nötig sein, und das Gepäck wird von Hand getragen. Wenn Treppen schwerfallen, ist ein privater Transfer zwischen dem Flughafen Casablanca und Mohammedia gut angelegtes Geld.
  • Apotheken und Praxen gibt es in großer Zahl, wie in jeder marokkanischen Stadt dieser Größe, und die meisten Apotheker sprechen Französisch.
  • Freitag ist Couscous-Tag. Viele Restaurants servieren ihn nur dann, und rund um das Mittagsgebet wird die Stadt langsamer.

Der Stadtpark von Mohammedia – ein schattiger, ebener Ort zum Spazieren mitten in der Stadt.

Der Stadtpark von Mohammedia – ein schattiger, ebener Ort zum Spazieren mitten in der Stadt.

Was Sie essen sollten

Mohammedia isst Fisch, und zwar ganz einfach zubereitet. Die Restaurants nahe dem Hafen sind der Grund, warum Leute aus Casablanca herausfahren: Die Karte richtet sich danach, was am Morgen hereinkam, und die üblichen Zubereitungen sind über Holz gegrillt oder leicht frittiert, dazu Brot, ein Salat aus Tomaten und Paprika und eine Zitronenspalte. Seezunge, Goldbrasse, Rotbarbe, Garnelen und Tintenfisch stehen regelmäßig zur Wahl.

Zwei Dinge, die Sie bestellen sollten, wenn Sie sie sehen. Gegrillte Sardinen, der große Klassiker des marokkanischen Atlantiks, günstig und ausgezeichnet. Und eine Tagine mit Fisch, Kartoffeln, Karotten und Salzzitrone, langsam gegart und bekömmlich – eine gute Wahl, wenn Ihnen Frittiertes nicht liegt.

Abseits des Meeres pflegt die Stadt eine ausgeprägte, französisch geprägte Café- und Bäckereikultur aus ihren Kurort-Jahren: Croissants und Msemen-Pfannkuchen zum Frühstück, Mandelgebäck am Nachmittag. In den kühleren Monaten gibt es abends Harira-Suppe. Frisch gepressten Orangensaft bekommt man überall, und Minztee ist der Schlusspunkt hinter allem.

Alkohol wird in einigen Hotels und Restaurants serviert, in den meisten gewöhnlichen Lokalen jedoch nicht; fragen Sie lieber nach, als es vorauszusetzen.

Anreise

Nächstgelegene Flughäfen Casablanca Mohammed V (CMN), rund 50–60 km entfernt, etwa 45–60 Minuten auf der Straße. Rabat–Salé (RBA) ist eine zweite Möglichkeit, rund 1 bis 1,5 Stunden auf der Straße.
Mit der Bahn Der Bahnhof von Mohammedia liegt an der Hauptstrecke Casablanca–Rabat, mit häufigen Verbindungen: etwa 25–35 Minuten von Casablanca, etwa 30–45 Minuten von Rabat.
Mit dem Auto Direkt an der Autobahn Casablanca–Rabat; etwa 30–40 Minuten vom Zentrum Casablancas außerhalb der Hauptverkehrszeit und etwa eine Stunde von Rabat.
Beste Monate Mai, Juni, September und Oktober. Juli und August sind heiß und sehr voll; November bis März ist mild, aber feucht und windig.
Aufenthaltsdauer Zwei bis drei Nächte für die Stadt selbst, oder vier bis fünf, wenn Sie sie als ruhigen Ausgangspunkt für Casablanca und Rabat nutzen.
Währung Marokkanischer Dirham (MAD). In kleinen Cafés und Taxis regiert noch das Bargeld; Geldautomaten finden sich leicht an den Hauptboulevards.
Sprachen Marokkanisches Arabisch und Französisch; in Hotels auch etwas Englisch.

Der Bahnhof von Mohammedia an der Strecke Casablanca–Rabat.

Der Bahnhof von Mohammedia an der Strecke Casablanca–Rabat.

Unser Fazit

Mohammedia wird Ihnen nicht die Dramatik von Chefchaouen oder das Theater von Marrakesch bieten. Was es stattdessen bietet, ist etwas, das sich Reisende über 60 oft stärker wünschen und seltener aussprechen: einen Ort, an dem es leicht ist, einfach zu sein.

Wir würden am Anfang einer Marokkoreise hierherkommen, um den Flug auf einer flachen Promenade mit einem Teller gegrilltem Fisch zu verarbeiten – oder an ihrem Ende, um sich von den Medinas zu erholen, bevor es von Casablanca aus nach Hause geht. Drei Nächte an der Corniche, zwei kurze Zugfahrten in die großen Städte, ein langes Mittagessen am Hafen und jeden Abend ein Sonnenuntergang, von einer Bank aus betrachtet – das ist ein vollständiger Urlaub, und nichts daran wird morgen schmerzen.

Fahren Sie Ende September oder Anfang Oktober, wenn das Meer noch warm ist, die Menschenmengen wieder an der Arbeit sind und das Licht über dem Atlantik den ganzen Strand in die Farbe von dünnem Tee taucht.

„Manche Städte verlangen, dass man klettert; Mohammedia verlangt nur, dass man sich hinsetzt und aufs Meer schaut.“


Bildnachweise

Dieser Reiseführer wurde aus dem Englischen übersetzt. English version. Über diesen Reiseführer: erstellt aus öffentlichen Quellen (Tourismusbüros, Websites von Parks und Verkehrsbetrieben) mit Hilfe von KI-Werkzeugen, die wichtige Fakten vor der Veröffentlichung prüfen. Preise, Öffnungszeiten und Zugang können sich ändern: Bitte prüfen Sie sie vor der Reise bei der offiziellen Quelle. Etwas veraltet? Schreiben Sie uns (auf Englisch). Wie unsere Reiseführer entstehen.

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