Fès: ein sanfter Spaziergang bergab durch die Altstadt

Fès gilt als überwältigend. Das muss es nicht sein. So erleben Sie Marokkos älteste Königsstadt in Ruhe, meist bergab – und mit einem Stuhl stets in der Nähe.

Die meisten Reisenden kommen nach Fès, als stünde ihnen ein Kampf bevor. Sie haben vom Labyrinth gehört, von den tausenden Gassen, den Eseln, dem Lärm. All das stimmt. Doch über diese Stadt gibt es eine leisere Wahrheit, die selten in den Reiseführern steht: Fès liegt an einem Hang – und wenn Sie es in der richtigen Richtung durchwandern, trägt es Sie.

Die Altstadt, Fès el-Bali, liegt wie in einer Schale zwischen Hügeln, in der nordmarokkanischen Region Fès-Meknès. Die großen Stadttore stehen hoch oben am Rand, die altehrwürdige Moschee und die Plätze der Handwerker unten im Talgrund. Betreten Sie die Medina von oben, und fast jeder Schritt Ihres Tages ist ein sanftes Abwärts – mit Teehäusern, schattigen Torbögen und kühlen Innenhöfen am Wegesrand, verteilt wie Bänke entlang eines langen Gartenpfades.

Dies ist ein Führer zu Fès in genau diesem Tempo. Keine Liste zum Abhaken, kein Marathon, sondern ein gemütlicher Vormittag bergab nach dem anderen – mit ehrlichen Hinweisen zum Kopfsteinpflaster, zu den Treppen und zu jenen Monaten, in denen die Hitze alles schwerer macht, als es sein müsste.

Ein wenig Geschichte

Fès wurde am Ende des 8. Jahrhunderts gegründet und wuchs schnell zu einer der geistigen Hauptstädte der muslimischen Welt heran. Im Jahr 859 stiftete eine Frau namens Fatima al-Fihri, aus einer Familie, die aus Kairouan in Tunesien gekommen war, die Moschee und Lehranstalt al-Qarawiyyin. Die UNESCO und das Guinness-Buch der Rekorde führen sie als die älteste ohne Unterbrechung betriebene Universität der Welt – bemerkenswerterweise von einer Frau gegründet und bis heute in Betrieb.

Ihre Blütezeit erlebte die Stadt im 13. und 14. Jahrhundert unter der Dynastie der Meriniden, als Fès Marrakesch als Hauptstadt des Reiches ablöste. Das meiste, was Besucher heute bewundern, stammt aus dieser Epoche: Medresen, ausgekleidet mit geschnitztem Zedernholz und wabenförmigem Stuck; Fondouks, in denen Händler einst unten ihre Tiere unterstellten und oben schliefen; Brunnen in den Straßenecken, für jeden, der vorüberkam.

Die Medina von Fès wurde 1981 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen und ist bis heute eine der größten autofreien Stadtzonen der Welt. Diese eine Tatsache erklärt sowohl den Zauber des Ortes als auch die Planung, die er von Ihnen verlangt: Mitten in der Medina wird Sie nichts mit Motor abholen.

Die Medina von Fès el-Bali, vom Hügel Borj Sud aus gesehen.

Die Medina von Fès el-Bali, vom Hügel Borj Sud aus gesehen.

Fès auf die leichte Art: immer bergab

Die Hauptschlagader der Altstadt heißt Tala'a Kebira, was sich etwa als „der große Aufstieg“ übersetzen lässt. Der Name ist Warnung und Einladung zugleich. Gehen Sie sie in die eine Richtung, ist sie ein Aufstieg; gehen Sie sie in die andere, ist sie ein langsames, leichtes Abwärts.

Beginnen Sie oben, am blau gefliesten Tor Bab Bou Jeloud, wo Taxis Sie direkt davor aussteigen lassen können. Von dort führt die Straße rund eineinhalb Kilometer bergab durch das Herz von Fès el-Bali, vorbei an den Medresen, den Kupferschmieden und den Gewürzständen, bis in die Gegend um die Qarawiyyin-Moschee. Enden Sie noch weiter unten an der Place R'cif, einem Platz am anderen Ende der Medina, den Taxis und Busse wieder erreichen.

Das ist der ganze Trick, und er verändert die Stadt von Grund auf. Zwei gut erreichbare Zugänge, einer oben, einer unten, und dazwischen die Schwerkraft. Machen Sie es am Morgen, nehmen Sie sich mit langen Pausen vier bis fünf Stunden Zeit – und fahren Sie zu Ihrem Riad zurück, statt bergauf zu laufen. Sollten Sie die Orientierung verlieren, verlassen Sie sich auf das Gefälle: bergab geht es ins Herz der Medina, bergauf wieder hinaus zu den Toren.

Eine Einkaufsgasse in der alten Medina von Fès.

Eine Einkaufsgasse in der alten Medina von Fès.

Was Sie sehen sollten

Medersa Bou Inania

Um 1350 vom merinidischen Sultan Abu Inan erbaut, ist dies das schönste Gebäude von Fès, das auch nicht-muslimische Besucher betreten dürfen. Es liegt gleich hinter dem Bab Bou Jeloud, nahe dem oberen Ende des Abstiegs – Sie begegnen ihm also, solange Sie noch frisch sind. Der Innenhof liegt auf Straßenniveau: Marmor unter den Füßen, Wände aus geschnitztem Stuck und Zellij-Mosaiken, Zederngitter, von sechs Jahrhunderten nachgedunkelt. Alles Sehenswerte erschließt sich, ohne dass Sie eine einzige Stufe steigen müssen.

Medersa al-Attarine

Kleiner, jünger und für viele Augen sogar noch feiner: Die al-Attarine liegt weiter unten am Hang, neben dem Gewürzmarkt, dem sie ihren Namen verdankt. Auch hier ist der Innenhof das Eigentliche, und auch hier ist er ebenerdig. Die Studentenzellen im Obergeschoss erreicht man über schmale Treppen, auf die man gut verzichten kann.

Al-Qarawiyyin

Die große Moschee und Universität ist der stille Mittelpunkt der Altstadt. Nicht-Muslime dürfen den Gebetssaal nicht betreten, doch die mächtigen Portale entlang der umliegenden Gassen stehen offen, und die Blicke, die man dadurch auf den Hof erhascht, gehören zu den leisen Freuden von Fès. Umrunden Sie das Gebäude in Ruhe, anstatt nach einem Aussichtspunkt zu suchen.

Der Nejjarine-Platz und sein Fondouk

Eine prachtvoll restaurierte Karawanserei an einem kleinen Platz mit gefliestem Brunnen, heute ein Museum für Holzkunst und Handwerk. Schon das Erdgeschoss lohnt den Besuch, und am Platz gibt es Cafés, in denen Sie sitzen und den Schreinern bei der Arbeit zusehen können.

Die Gerberei Chouara

Die berühmten Färbebecken sieht man von den Terrassen der Ledergeschäfte, die darüber liegen – das heißt: zwei oder drei steile, unebene Treppenläufe, oft in warmer Luft und begleitet von einem durchdringenden Geruch. Dies ist die eine Sehenswürdigkeit, auf die Sie unseres Erachtens verzichten sollten, wenn Treppen Ihnen schwerfallen. Niemand wird deshalb schlechter von Ihnen denken, und Fotos davon gibt es überall.

Die Gärten von Jnan Sbil

Wenn die Medina zu viel wird, sind diese öffentlichen Gärten aus dem 19. Jahrhundert zwischen Fès el-Bali und Fès el-Jdid das Gegenmittel: ebene Kieswege, hohe Palmen und Bambus, Teiche, Orangenbäume und viel, viel Schatten. Es ist die sanfteste Stunde, die Sie in Fès verbringen werden.

Fès el-Jdid und die Palasttore

Die „neue“ Stadt ist nur nach Fès-Maßstäben neu – sie ist merinidisch, aus dem 13. Jahrhundert. Hier sind die Straßen breiter und flacher. Am weiten Place des Alaouites stehen die großen Messingtüren des Königspalastes, gerahmt von blauen und grünen Fliesen. Der Palast selbst ist für Besucher geschlossen, doch die Tore sind eine Sehenswürdigkeit für sich – und Sie erreichen sie mit nur wenigen Minuten Gehweg. Gleich dahinter beginnt das alte jüdische Viertel, die Mellah, mit seinen hölzernen Balkonen.

Eine Gasse in der Medina von Fès; der Turm links ist das Portal der Andalusischen Moschee.

Eine Gasse in der Medina von Fès; der Turm links ist das Portal der Andalusischen Moschee.

Ein Tagesausflug in die Umgebung

Der klassische Ausflug von Fès führt nach Westen zu drei Orten, die nahe beieinanderliegen – und er passt ältere Reisende ungewöhnlich gut, weil der größte Teil des Tages im Auto sitzend verbracht wird.

Volubilis ist eine römische Stadt auf einem offenen Hügel zwischen Olivenhainen, mit Triumphbogen, Säulen und noch an ihrem Platz liegenden Mosaikböden. Von Fès sind es etwa eineinhalb Stunden Fahrt. Das Gelände ist ohne Schatten und der Boden uneben – fahren Sie also früh und nehmen Sie einen Hut mit.

Moulay Idriss Zerhoun, die weiß getünchte heilige Stadt, die sich über zwei Hügel ergießt, liegt nur etwa zehn Minuten weiter. Sie ist steil – wirklich steil –, weshalb viele Besucher sie einfach vom Aussichtspunkt an der Zufahrtsstraße bewundern, anstatt hineinzugehen.

Meknès, die Königsstadt von Sultan Moulay Ismail, liegt etwa 45 Minuten bis eine Stunde von Fès entfernt und lässt sich auf dem Rückweg anfügen. Das monumentale Stadttor Bab Mansour und der riesige Platz davor sind flach und bequem zu begehen.

Rechnen Sie für alle drei Orte acht bis neun Stunden. Ein privater Fahrer kostet mehr als eine Gruppentour, lässt Sie aber das Tempo bestimmen und alles weglassen, worauf Sie keine Lust mehr haben – in jedem Alter gut angelegtes Geld.

Ehrliche Tipps für bequemes Reisen

  • Übernachten Sie in der Medina, nahe einem Stadttor. Ein Riad in der Nähe von Bab Bou Jeloud, Batha oder R'cif bedeutet fünf oder zehn Minuten Fußweg vom nächsten Taxi, nicht dreißig. Fragen Sie vor der Buchung genau nach, wie weit die Haustür von einem für Autos erreichbaren Punkt entfernt ist und ob Gepäckträger Sie mit Ihren Koffern abholen können. Seriöse Riads organisieren das selbstverständlich.
  • Fragen Sie nach der Zahl der Stufen. Riads sind alte, um Innenhöfe gebaute Häuser, und die Schlafzimmer liegen meist oben, erreichbar über steile, schmale Treppen mit niedrigen Handläufen. Zimmer im Erdgeschoss gibt es, aber nur wenige – erbitten Sie eines daher schon bei der Buchung. Manche Riads in der Ville Nouvelle und moderne Hotels außerhalb der Stadtmauern haben Aufzüge, zum Preis einer Taxifahrt in die Altstadt an jedem Morgen.
  • Die wahre Herausforderung ist der Boden, nicht die Entfernung. Rechnen Sie mit abgelaufenem Kopfsteinpflaster, unebenem Stein, gelegentlichen Stufen und einer Abflussrinne in der Gassenmitte. Tragen Sie Schuhe mit fester Sohle und gutem Grip, und denken Sie über einen Wanderstock nach. Ein Rollkoffer ist mühsam; eine weiche Tasche, die ein Träger schultern kann, ist besser.
  • Die Gassen sind eng und werden mit Handkarren und Maultieren geteilt. Wenn Sie den Ruf „Balak“ hören, treten Sie zur Seite und bleiben Sie stehen. Lassen Sie den Verkehr vorbei, anstatt sich zu beeilen.
  • Nehmen Sie für den ersten Tag einen lizenzierten Guide. Nicht, weil Sie es allein nicht schaffen würden, sondern weil ein guter Guide die Route bergab wählt, weiß, wo die sauberen Toiletten und die ruhigen Cafés sind, und Händler diskret auf Abstand hält. Buchen Sie über Ihr Riad.
  • Planen Sie um die Hitze herum. Juli und August erreichen regelmäßig Mitte 30 Grad Celsius, manchmal über 40. Die Gassen liegen im Schatten, was hilft, doch im Hochsommer sollte die Besichtigung mittags beendet sein.
  • Planen Sie die Dachterrasse ein. Nahezu jedes Riad hat eine. Eine Stunde dort oben am späten Nachmittag, bei Pfefferminztee, während der Ruf zum Gebet über die Dächer rollt, gehört genauso zu Fès wie jedes Baudenkmal.
  • Nehmen Sie Kleingeld und eine Wasserflasche mit. In den Souks sind Karten kaum verbreitet, und in den tiefsten Gassen gibt es nur wenige Läden, die Wasser verkaufen.

Enge, schattige Gassen in der Medina von Fès.

Enge, schattige Gassen in der Medina von Fès.

Was Sie essen sollten

Die Küche von Fès gilt als die feinste Marokkos, und die Stadt nimmt das sehr ernst. Das Gericht, das Sie probieren müssen, ist Pastilla: eine runde Pastete aus hauchdünnem Warqa-Teig, gefüllt mit langsam geschmorter Taube oder Hähnchen, Mandeln und gewürztem Ei, bestäubt mit Zimt und Puderzucker. Die Verbindung von süß und salzig überrascht viele – und Fès ist ihr Ursprungsort.

Harira, die Suppe aus Tomaten, Linsen und Kichererbsen, ist hier dicker und kräftiger gewürzt als anderswo. Noch besser für einen empfindlichen Magen ist Bissara, ein samtiges Püree aus getrockneten Favabohnen, heiß serviert mit Olivenöl und Kreuzkümmel – ein Arbeiterfrühstück: günstig, sättigend und leicht verdaulich.

Die hiesige Tagine neigt zu dunklen, süßen Zwiebelsaucen mit Safran, Ingwer und Salzzitrone. Straßenküche gibt es in Fülle: Brochettes über Holzkohle gegrillt, morgens frittierte Sfenj-Krapfen, Schalen mit Oliven, Datteln und Nougat in den überdachten Märkten.

Zwei praktische Hinweise. Wählen Sie gut besuchte Lokale, in denen frisch gekocht und heiß serviert wird, und bleiben Sie bei Wasser aus der Flasche. Und wenn die Hitze Ihnen den Appetit genommen hat: Eine Schale Suppe und ein Teller Orangen mit Zimt sind ein völlig respektables Abendessen auf Fassi-Art.

Musiker spielen in einer Gasse der alten Medina von Fès.

Musiker spielen in einer Gasse der alten Medina von Fès.

Anreise

Nächster Flughafen Fès–Saïss (FEZ), rund 15 km südlich der Stadt, etwa 20–30 Minuten mit dem Taxi. Er wird saisonal und ganzjährig aus mehreren europäischen Städten angeflogen. Casablanca Mohammed V ist das wichtigste Drehkreuz für Langstrecken.
Mit der Bahn Fès hat einen komfortablen Bahnhof in der Ville Nouvelle, etwa 10–15 Minuten mit dem Petit Taxi von den Medina-Toren entfernt. Ungefähre Fahrzeiten: Casablanca 4 Stunden, Rabat 3 Stunden, Tanger 4–5 Stunden, Marrakesch rund 7 Stunden. Die erste Klasse bietet einen reservierten Sitzplatz – das ist es wert.
Mit dem Auto Autobahnen verbinden Fès mit Rabat, Casablanca und Tanger. Meknès ist weniger als eine Stunde entfernt, Chefchaouen etwa 4 Stunden über hügelige Straßen. Ein privater Fahrer zwischen den Städten ist eine bequeme Alternative zur Bahn.
Beste Monate März bis Mai und Ende September bis November, mit Tagestemperaturen meist zwischen knapp unter 20 und knapp unter 30 Grad Celsius. Der Winter ist mild, aber nass und kann nachts nahe an den Gefrierpunkt fallen. Juli und August sind sehr heiß.
Aufenthaltsdauer Drei Nächte sind genau richtig: ein gemütlicher Tag bergab durch Fès el-Bali, ein ruhigerer Tag in Fès el-Jdid und den Gärten, ein Tagesausflug. Vier, wenn Sie gern verweilen.
Währung Der marokkanische Dirham (MAD). Er lässt sich im Ausland kaum beschaffen – wechseln Sie also Geld oder nutzen Sie nach der Ankunft einen Geldautomaten. In der Medina ist Bargeld unverzichtbar.

Unser Fazit

Fès ist nicht die einfachste Stadt Marokkos, und wir wollen nicht behaupten, es wäre anders. Der Boden ist uneben, die Gassen sind schmal, und die Medina verlangt Ihren Beinen und Ihrer Geduld etwas ab, was Marrakesch oder Essaouira nicht fordern.

Doch sie gibt mehr zurück als fast jeder andere Ort des Landes. Dies ist eine lebendige mittelalterliche Stadt, keine restaurierte – ein Ort, an dem dieselben Familien noch heute auf demselben Platz Kupfer hämmern, auf dem schon ihre Urgroßväter arbeiteten, an dem eine tausendjährige Universität Vorlesungen hält und an dem der Brotteig jeden Morgen auf einem Holzbrett zum Gemeinschaftsofen getragen wird.

Reisen Sie im Frühling oder Herbst. Wohnen Sie innerhalb der Mauern, nahe einem Tor. Gehen Sie vormittags bergab und nehmen Sie bergauf das Taxi. Schenken Sie sich drei entspannte Tage statt zwei hektischer. Tun Sie das, und Fès ist nicht mehr die Stadt, vor der alle Sie gewarnt haben, sondern jene, von der Sie noch Jahre später erzählen.

Abendlicht über der Medina von Fès.

Abendlicht über der Medina von Fès.

„In Fès sucht man nicht seinen Weg; man folgt einfach dem Gefälle, und die Altstadt bringt einen zu ihrem Herzen.“


Bildnachweise

Dieser Reiseführer wurde aus dem Englischen übersetzt. English version. Über diesen Reiseführer: erstellt aus öffentlichen Quellen (Tourismusbüros, Websites von Parks und Verkehrsbetrieben) mit Hilfe von KI-Werkzeugen, die wichtige Fakten vor der Veröffentlichung prüfen. Preise, Öffnungszeiten und Zugang können sich ändern: Bitte prüfen Sie sie vor der Reise bei der offiziellen Quelle. Etwas veraltet? Schreiben Sie uns (auf Englisch). Wie unsere Reiseführer entstehen.

Weiterlesen

Das könnte Ihnen auch gefallen