Bhalil: Marokkos buntes Dorf der Höhlenhäuser

Eine halbe Stunde von Fès verbirgt ein Hangdorf aus Pastellhäusern Räume im Fels – bis heute bewohnt. Warum sich der kurze Abstecher lohnt.

Die meisten Besucher von Fès hören den Namen Bhalil nie. Sie verbringen ihre Tage in der Medina, nehmen die Straße nach Süden zu den Zedern von Ifrane – und fahren dabei an einem Hang vorbei, der über und über mit Häusern in Aprikose, Mintgrün, Hellblau und Rosa bedeckt ist. Das ist schade, denn Bhalil gehört zu den ungewöhnlichsten Orten Nordmarokkos – und liegt kaum eine halbe Stunde von der Stadt entfernt.

Das Besondere daran sieht man von der Straße aus nicht. Hinter vielen dieser fröhlichen Fassaden sind die hinteren Räume gar nicht gebaut: Sie sind in den Kalkstein des Hügels gehauen, und Familien leben bis heute darin. Örtliche Schätzungen gehen von fünf- bis sechshundert Höhlenräumen aus, von denen vielleicht hundert noch bewohnt werden. Der Fels hält sie durch die Julihitze hindurch kühl und im Winter mild – genau deshalb wurden sie nie aufgegeben.

Dies ist kein Museumsdorf, und es gibt keine Kasse. Es ist eine lebendige Kleinstadt mit rund dreizehntausend Einwohnern, mit Backöfen, Ölmühlen und Frauen, die auf ihren Türschwellen Seidenknöpfe knüpfen. Nehmen Sie sich einen Vormittag Zeit, gehen Sie mit jemandem von hier – und der Ort wird Ihnen länger im Gedächtnis bleiben als so manche berühmte Sehenswürdigkeit.

Ein wenig Geschichte

Die Anfänge Bhalils liegen wirklich im Dunkeln, und wer Ihnen etwas anderes erzählt, füllt die Lücken selbst. Die Dorfbewohner sagen, die Höhlen seien vorislamisch und ihre Vorfahren eine christianisierte Amazigh-Gemeinschaft gewesen; seriöse Darstellungen räumen ein, dass mündliche Überlieferung, einige Spuren an der Oberfläche und sehr begrenzte archäologische Arbeiten das bislang nicht belegen. Der Name selbst wird meist auf die Bahloula zurückgeführt, eine Amazigh-Gruppe der Zenata.

Klarer ist, dass der Ort seit sehr langer Zeit durchgehend bewohnt ist und dass die Höhlen nie eine Kuriosität waren – sie waren vernünftiges Bauen. Wer sich in den weichen Kalkstein grub, bekam für seine Familie einen Raum, der nichts kostete außer Arbeit, im Sommer kühl und im Winter trocken blieb. Über Generationen kamen gemauerte Räume davor und darüber hinzu, sodass die meisten Häuser heute Mischformen sind: eine gebaute Fassade zur Gasse, dahinter eine aus dem Fels gehauene Kammer. Die marokkanische Denkmalpflege erkannte den Wert des Dorfes Mitte des 20. Jahrhunderts an, auch wenn der Schutz nicht verhindert hat, dass manche Höhlen still geworden sind, weil Familien in neuere Häuser ziehen.

Das Dorf verteilt sich auf vier historische Viertel – Khandaq im mittleren Tal, Aghezdis am oberen Hang im Süden, Ramla im Nordwesten und Kasbah im Nordosten – mit der alten Quelle unten in der Mulde. Über allem erhebt sich der Bergrücken, den die Einheimischen El Aqba nennen, gut 1.000 Meter hoch.

Die Häuser von Bhalil ziehen sich über den Hang.

Die Häuser von Bhalil ziehen sich über den Hang.

Was es zu sehen gibt

Bhalil ist klein, und einen festen Rundweg gibt es nicht. Das Vergnügen liegt darin, langsam zu gehen, zu den Brücken hinaufzuschauen, die Häuser über die Gassen hinweg verbinden – und eingeladen zu werden.

Die Höhlenhäuser

Ihretwegen kommt man her. Einfach anklopfen können Sie nicht – die Höhlen sind Privatwohnungen –, ein Besuch wird deshalb über einen örtlichen Guide oder eine Familie vermittelt, die Gäste empfängt, meist bei Minztee. Drinnen ist der gehauene Raum oft der Hauptwohnraum: geschwungene Wände, eine niedrige Decke, Teppiche und Kissen und eine Temperatur, die sich zu jeder Jahreszeit kaum verändert. Manche Höhlen sind groß und sanft beleuchtet, andere schlicht und dienen als Lager, Ölmühle oder Stall. Beides lohnt sich, und der Kontrast sagt mehr über das Dorf als jedes einzelne Vorzeigeobjekt.

Die bemalten Gassen und Brücken

Das Oberdorf ist ein Gewirr aus Treppengassen in kräftigen Farben, mit blauen und grünen Türen und Wäsche, die über den Köpfen hängt. Kurze Brücken und überdachte Durchgänge verbinden die Häuser beiderseits der engen Straßen. Früher Morgen und später Nachmittag bieten das schönste Licht und die angenehmsten Temperaturen.

Aïn Kbir, die große Quelle

Unten in der zentralen Mulde liegt die Quelle, die das Dorf jahrhundertelang versorgt hat. Sie ist bis heute ein sozialer Treffpunkt – Wasser, Wäsche, Gespräche – und der eine Teil Bhalils, den Sie ohne viel Steigung erreichen.

Die Seidenknöpfe

Bhalil ist in ganz Marokko für handgeknüpfte Knöpfe für Djellabas bekannt. Die Frauen flechten feinen Seidenfaden zu winzigen, dichten Knoten – ein Handwerk, das Jahre braucht, bis es schnell von der Hand geht, und auf das sich die Schneider in Fès noch immer verlassen. Wenn Ihnen eine Vorführung angeboten wird, nehmen Sie sie an: Zuzusehen, wie aus einem Faden in weniger als einer Minute ein Knopf wird, ist das Souvenir, das am längsten bleibt – und wer ein paar davon kauft, unterstützt die Herstellerin direkt.

Ein Höhlenhaus in Bhalil, vor Ort als Mohammeds Höhlenhaus bekannt.

Ein Höhlenhaus in Bhalil, vor Ort als Mohammeds Höhlenhaus bekannt.

Ein Ausflug in die Umgebung

Sefrou liegt rund 6 km südöstlich von Bhalil, zehn Autominuten entfernt, und beides lässt sich hervorragend zu einem halben oder ganzen Tag ab Fès verbinden.

Sefrou ist eine alte Marktstadt mit einer kompakten, von Mauern umgebenen Medina, die weit ruhiger und flacher ist als die von Fès, mit einem gut erhaltenen Mellah, der an eine einst große jüdische Gemeinde erinnert, und mit einem Fluss, der mitten hindurchfließt, gesäumt von Mühlen und Waschplätzen. Der Donnerstagssouk füllt die Straßen mit Bauern aus den umliegenden Hügeln. Oberhalb der Stadt führt ein Fußweg zur Höhle Kef el-Moumen, die der lokalen Legende nach mit dem Propheten Daniel verbunden ist – schön, aber mit einem Aufstieg verbunden.

Wenn Sie zeitlich flexibel sind, planen Sie das Kirschfest von Sefrou ein, das Mitte Juni an drei Tagen stattfindet. Es ist eines der ältesten Feste Marokkos: Umzüge, Volksmusik, eine Fantasia heranstürmender Reiter und überall Kirschen. Rechnen Sie mit ebenso viel Gedränge wie Hitze.

Ehrliche Hinweise für bequemes Reisen

Bhalil ist wunderschön, aber es ist an einen steilen Hang gebaut – und das sollten Sie lieber vorher wissen als auf halber Treppe.

  • Das Dorf ist wirklich steil. Die alten Viertel bestehen aus Treppengassen und unregelmäßigen Stufen ohne Geländer. Einen stufenfreien Weg hindurch gibt es nicht. Wenn Ihnen Treppen schwerfallen, sagen Sie das bei der Buchung eines Guides und bitten Sie um einen kurzen Besuch auf niedrigem Niveau rund um die Quelle und die unteren Gassen – den Anstieg übernimmt dann das Auto.
  • Kalkstein ist nass rutschig. Nach Regen und an Wintermorgen können der abgelaufene Stein und die glatten Türschwellen tückisch sein. Schuhe mit wirklich gutem Profil sind hier wichtiger als irgendwo sonst in der Region.
  • Gehen Sie mit einem örtlichen Guide. Das ist keine Formsache: Die Höhlen sind Familienwohnungen, und ohne Vermittlung sehen Sie bemalte Wände und sonst nichts. Ein Guide wählt außerdem den sanftesten Weg bergauf.
  • Zwei bis drei Stunden genügen völlig für Bhalil selbst. Zusammen mit Sefrou ergibt sich daraus ein entspannter Tag ab Fès mit einem ausgiebigen Mittagessen dazwischen.
  • Kommen Sie am Vormittag. Das Licht ist besser, die Gassen sind belebt, und Sie entgehen der Nachmittagshitze an einem ungeschützten Hang.
  • Nehmen Sie Wasser, einen Hut und eine leichte Jacke mit. Auf rund 1.000 Metern ist die Sonne kräftig, auch wenn die Luft mild wirkt, und in den Höhlen ist es deutlich kühler als auf der Straße.
  • Toiletten und Cafés sind rar. Nutzen Sie die Einrichtungen in Fès oder Sefrou, bevor Sie losfahren.
  • Übernachten. Die meisten Reisenden wohnen in einem Riad in Fès und kommen für den Tag her – das ist die einfachste Lösung. In und um Bhalil gibt es einige wenige Gästehäuser, falls Sie eine ruhige Nacht in den Hügeln vorziehen; fragen Sie nach Parkmöglichkeiten und danach, wie weit die Haustür von der Straße entfernt ist, denn die oberen Gassen sind nicht befahrbar.
  • Nehmen Sie lieber einen Privatwagen oder ein Taxi als öffentliche Verkehrsmittel, wenn Sie längere Fußwege ermüden. Sich so hoch absetzen zu lassen, wie die Straße es zulässt, erspart Ihnen den schwersten Teil des Aufstiegs.

Das Innere eines Höhlenhauses in Bhalil, in den Fels des Hangs gehauen.

Das Innere eines Höhlenhauses in Bhalil, in den Fels des Hangs gehauen.

Was auf den Tisch kommt

Dies ist Bauernland, und das Essen ist ehrlich statt kunstvoll. Oliven und Olivenöl bilden den Kern – die Hänge rund um das Dorf sind mit Olivenbäumen bepflanzt, und die Herbsternte ist eine eigene Jahreszeit, in der die Pressen laufen und bei jeder Mahlzeit frisches Öl über das Brot gegossen wird.

Schon das Brot ist die Reise wert: runde Laibe, die zu einem gemeinschaftlichen Holzofen getragen und später am Tag wieder abgeholt werden – mit einer Kruste, die Ihnen im Gedächtnis bleibt. Dazu gibt es meist eine langsam geschmorte Tajine aus Huhn mit Salzzitronen und Oliven oder Lamm mit Backpflaumen und reichlich Gemüse der Saison: Tomaten, Paprika, dicke Bohnen, Kartoffeln.

Feigen reifen im Spätsommer, und im Juni sind die Kirschen aus den Obstgärten von Sefrou in ganz Marokko berühmt. Alles wird von Minztee begleitet, aus der Höhe eingegossen, süßer als erwartet – und besser nicht abgelehnt. Wenn Sie in ein Höhlenhaus eingeladen werden, gehören Tee und ein Teller Brot mit Öl oder Honig meist zur Begrüßung; dies freundlich anzunehmen ist der eigentliche Sinn des Besuchs.

Anreise

Bhalil liegt in der Provinz Sefrou, in der Region Fès-Meknès, an den ersten Hängen des Mittleren Atlas. Die Straße von Fès steigt sanft durch Olivenhaine und Ackerland an – eine bequeme, landschaftlich schöne Fahrt ohne Gebirgspässe.

Nächster Flughafen Fès–Saïss (FEZ), etwa 20–30 km entfernt, rund 30–40 Minuten mit dem Auto. Casablanca und Marrakesch bieten mehr internationale Verbindungen, mit Inlandsflug oder Zug weiter nach Fès.
Mit dem Auto Von Fès etwa 25–30 km nach Südosten, rund 30–40 Minuten mit Auto oder Taxi. Von Sefrou etwa 6 km, rund 10 Minuten. Zwischen Fès und Sefrou verkehren häufig Sammel-Grandtaxis und Busse, die letzte Strecke nach Bhalil übernehmen lokale Taxis; ein Privatwagen oder ein vorab gebuchter Fahrer ist weit unkomplizierter.
Beste Reisezeit März bis Mai und Ende September bis November. Im Sommer wird es mittags am offenen Hang heiß; die Winter sind kühl und feucht, mit gelegentlichem Schnee in den höheren Lagen der Umgebung.
Aufenthaltsdauer 2–3 Stunden allein für Bhalil; ein halber oder ganzer Tag in Verbindung mit Sefrou.
Währung Marokkanischer Dirham (MAD). Nehmen Sie Bargeld mit – im Dorf wird selten mit Karte bezahlt.

Ein Wort zur Sprache: Hier werden marokkanisches Arabisch und Amazigh gesprochen, Französisch wird weithin verstanden, bei Guides auch etwas Englisch. Ein paar Worte zur Begrüßung bewirken viel.

Unser Fazit

Bhalil ist ein Abstecher, kein Reiseziel – und genau darin liegt sein Reiz. Es verlangt einen halben Tag und gibt dafür etwas zurück, was die meisten berühmten Sehenswürdigkeiten nicht können: eine ganz gewöhnliche Stadt, die ihrem Alltag nachgeht und in der das Außergewöhnliche – ein in den Hügel gehauener Raum, länger bewohnt, als irgendjemand datieren kann – einfach der Ort ist, an dem die Familie abends zusammensitzt.

Seien Sie realistisch, was die Treppen angeht. Wenn steile, unebene Stufen nichts für Sie sind, vereinbaren Sie vorab einen kurzen Besuch auf niedrigem Niveau und genießen Sie das Dorf von der Quelle, den unteren Gassen und einem Höhlenhaus aus, das ohne Aufstieg erreichbar ist; Sie werden sein Herz trotzdem gesehen haben. Wenn Sie sicher auf den Beinen sind und den Hang in der Morgenkühle langsam angehen, gehen Sie durch die bemalten Gassen bis nach oben und schauen Sie über die Dächer zurück.

Verbinden Sie den Besuch mit Sefrou, essen Sie gut, kaufen Sie eine Handvoll Seidenknöpfe bei der Frau, die sie gefertigt hat, und fahren Sie im Licht des späten Nachmittags nach Fès zurück. Das ist einer der schönsten halben Tage in Nordmarokko – und fast niemand weiß davon.

„In Bhalil ist der kühlste Raum des Hauses jener, den der Hang Ihnen geschenkt hat.“


Bildnachweise

Dieser Reiseführer wurde aus dem Englischen übersetzt. English version. Über diesen Reiseführer: erstellt aus öffentlichen Quellen (Tourismusbüros, Websites von Parks und Verkehrsbetrieben) mit Hilfe von KI-Werkzeugen, die wichtige Fakten vor der Veröffentlichung prüfen. Preise, Öffnungszeiten und Zugang können sich ändern: Bitte prüfen Sie sie vor der Reise bei der offiziellen Quelle. Etwas veraltet? Schreiben Sie uns (auf Englisch). Wie unsere Reiseführer entstehen.

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