Asilah: Das kleine weiße Städtchen, das sich neu bemalt

Eine flache, von Mauern umgebene Stadt an Marokkos Atlantikküste, deren Wandbilder jeden Sommer neu entstehen – leicht von Tanger aus zu erreichen und schonend für die Beine.

Die meisten marokkanischen Städte verlangen etwas von Ihnen: einen Aufstieg, einen Hügel, ein Labyrinth. Asilah verlangt so gut wie nichts. Die Stadt liegt flach am Atlantik, etwa 40 km südlich von Tanger – ein kleines Viereck weiß gekalkter Häuser innerhalb portugiesischer Mauern, an zwei Seiten vom Meer umspült, dessen Rauschen fast überall zu hören ist.

Und hier kommt die sanfte Überraschung, für die wir immer wieder zurückkehren. Asilah ist keine Stadt, die konserviert wurde – es ist eine Stadt, die neu bemalt wird. Jeden Sommer werden während des traditionsreichen Kulturmoussems Künstler eingeladen, ihre Wandbilder direkt auf die Mauern der Medina zu malen; im Jahr darauf entstehen an ihrer Stelle neue Werke. Der Kalk wird aufgefrischt, die Bilder wechseln, die Gassen sehen anders aus. Sie könnten drei Jahre hintereinander kommen und würden nie ganz dieselbe Stadt zweimal sehen.

Für Reisende über 60 hat das nicht nur poetische, sondern auch handfeste Vorteile. Die gesamte Medina ist eben, autofrei und so klein, dass man sie in gemächlichen zwanzig Minuten durchquert. Kein unvermeidlicher Hügel, keine langen Wege zwischen den Sehenswürdigkeiten. Sie gehen einfach, bleiben stehen, setzen sich auf die Meeresmauer – und lassen die Stadt zu Ihnen kommen.

Ein wenig Geschichte

Asilah ist viel älter, als es aussieht. Der Ort war bereits in der Antike besiedelt und wechselte über die Jahrhunderte zwischen phönizischer, römischer, arabischer, portugiesischer, spanischer und schließlich französischer und spanischer Kolonialherrschaft – eine lange Liste für eine Stadt, die man in einer Viertelstunde zu Fuß durchquert.

Die Mauern, die Sie heute sehen, sind portugiesisch. Portugal nahm die Stadt 1471 ein und umgab die Medina mit massiven Steinwällen und Bastionen, deren Tore noch ihre alten Namen tragen: Bab Homar, Bab el Kasba und Bab el Bahr, das Meerestor. Von Asilah aus brach 1578 der junge portugiesische König Sebastian zu jenem Feldzug auf, der in der Schlacht der drei Könige bei Ksar el-Kebir mit seinem Tod endete. Die Herrschaft ging an Spanien über, und 1589 brachte der saadische Sultan Ahmad al-Mansur die Stadt wieder unter marokkanische Kontrolle.

Ein späteres Kapitel verleiht Asilah seinen leicht andalusischen Anflug. Unter dem spanischen Protektorat im frühen 20. Jahrhundert entstand außerhalb der Mauern ein kleines Straßenraster mit einer Franziskanerkirche. Und 1978 gründeten zwei Einheimische das Kulturmoussem, das Asilahs Geschick veränderte: Die Wandbilder entstanden, die Medina wurde strahlend weiß geschrubbt, und aus einem stillen Fischerort wurde einmal im Jahr eine Galerie unter freiem Himmel.

Borj Sidi Mimoun, einer der Türme der portugiesischen Befestigungen Asilahs aus dem 15. Jahrhundert, hoch über dem Atlantik.

Borj Sidi Mimoun, einer der Türme der portugiesischen Befestigungen Asilahs aus dem 15. Jahrhundert, hoch über dem Atlantik.

Was man sehen sollte

Asilahs Sehenswürdigkeiten sind keine Monumente, die man bezwingen muss. Sie sind Haltepunkte auf einem gemütlichen Rundweg – und der Rundweg selbst ist das Eigentliche.

Die Stadtmauern und Bab el Bahr

Beginnen Sie am Meerestor Bab el Bahr, wo die Medina sich direkt zum Atlantik hin öffnet. Der Spaziergang oben auf der seeseitigen Mauer ist das große Vergnügen dieser Stadt: auf der einen Seite der Ozean, auf der anderen die weißen Häuser, dazu Bänke und niedrige Mäuerchen, auf denen Sie so lange sitzen können, wie Sie mögen. Am schönsten ist der späte Nachmittag, wenn der Stein honigfarben leuchtet. Beachten Sie: Zum Mauerweg führt eine Steintreppe, die streckenweise kein Geländer hat. Falls Ihnen das Schwierigkeiten macht, bietet die Promenade unten auf Straßenniveau nahezu denselben Blick.

Die bemalte Medina

Innerhalb der Mauern sind die Gassen schmal, eben und gepflastert, gesäumt von blau-weißen Türen, Geranien in Töpfen und Wandbildern in jedem Lebensstadium – manche ganz neu, manche zu einem Schatten verblasst. Lassen Sie sich ein wenig verlieren. Die Medina ist so klein, dass Sie nach wenigen Minuten in jede Richtung wieder an eine Mauer oder ans Meer stoßen.

Al-Kamra-Turm und der Raisuni-Palast

Neben dem Meerestor erhebt sich der viereckige Al-Kamra-Turm, erbaut in portugiesischer Zeit und lange genutzt, um die Zufahrten vom Wasser her zu beobachten. Ein kurzer Spaziergang entfernt liegt der Raisuni-Palast, errichtet zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Moulay Ahmed er Raisuni, den lokalen Machthaber – teils Rebell, teils Gouverneur, teils Entführer von Europäern. Das Innere wird in der Regel für Kulturveranstaltungen genutzt und ist nicht täglich zu besichtigen, doch der Terrassenweg daneben, hoch über den Felsen, ist frei zugänglich und wunderbar.

Kirche San Bartolomé

Gleich außerhalb der Medina, im Viertel aus spanischer Zeit, steht diese weiße Franziskanerkirche aus den 1920er-Jahren, in einem maurischen Stil erbaut, der sie leicht übersehen lässt. Ein stiller, unerwarteter Winkel in Asilahs vielschichtiger Geschichte.

Der Fischerhafen

Einen kurzen Spaziergang nördlich der Mauern liegt der kleine Hafen, in dem die Stadt ihr Geld verdient. Boote kommen herein, Kisten mit Sardinen und Tintenfisch gehen hinaus, und die Cafés nebenan machen gute Geschäfte mit Pfefferminztee. Flach, ungeschminkt und sehr echt.

Ein Wandbild in einer Gasse der Medina von Asilah – die Malereien werden immer wieder erneuert, sodass kein Besuch dem anderen gleicht.

Ein Wandbild in einer Gasse der Medina von Asilah – die Malereien werden immer wieder erneuert, sodass kein Besuch dem anderen gleicht.

Sand am Rand der Stadt

Asilahs Strände sind ein Grund, ein oder zwei Nächte zu bleiben, statt nur durchzureisen. Direkt nördlich der Stadtmauern beginnt ein langer, offener Sandstrand, der sich über Kilometer erstreckt – flach, angenehm zu gehen und ideal für einen gemächlichen Morgenspaziergang, bevor der Tag warm wird. Der Atlantik ist hier eher erfrischend als warm, und die Strömung kann kräftig sein; es ist also ein besserer Strand zum Waten und Sitzen als zum ernsthaften Schwimmen.

Wenige Kilometer südlich, erreichbar mit dem Petit Taxi oder mit den Pferdekutschen, die nahe der Stadt warten, liegt der von den Einheimischen Paradise Beach genannte Strand, eine weite Bucht unter niedrigen Klippen. Es gibt kaum Schatten und wenig Infrastruktur – kommen Sie also früh, nehmen Sie Wasser und einen Hut mit und vereinbaren Sie die Rückfahrt mit Ihrem Fahrer, bevor Sie losfahren.

Playa de las Cuevas an der Atlantikküste bei Asilah.

Playa de las Cuevas an der Atlantikküste bei Asilah.

Ein Tagesausflug in die Umgebung

Wenn Sie nur einen Ausflug machen möchten, dann nach Larache und Lixus, rund 40 km südlich von Asilah – etwa 45 Minuten bis eine Stunde auf der Straße, mit dem Grand Taxi oder einem Mietwagen mit Fahrer.

Larache ist ein verblasster spanisch-marokkanischer Hafen mit einem kreisrunden Platz, blau-weißen Balkonen und einem langen Atlantikstrand jenseits des Flusses. Gleich außerhalb liegen die Ruinen von Lixus, einer phönizischen und später römischen Stadt an einem Hang über der Mündung des Loukkos, mit Thermen, einem kleinen Theater-Amphitheater und den Salzbecken, in denen einst Fischsauce für den Export in das ganze Reich hergestellt wurde.

Ein ehrliches Wort: Lixus liegt an einem Hang, der Boden ist rau und unregelmäßig, es gibt lose Steine und keinen Schatten. Wenn steile, unebene Wege für Sie schwierig sind, können Sie die Lage von den unteren Terrassen aus genießen und Ihre Zeit stattdessen Larache widmen – Uferpromenade und Altstadt sind dort flach und sehr angenehm. Auch Tanger ist mit dem Zug ein bequemer Halbtagesausflug, falls Sie eine Stadt den Ruinen vorziehen.

Ehrliche Tipps für bequemes Reisen

  • Die Medina ist eben und autofrei. Keine nennenswerten Steigungen, kein Verkehr, und nichts liegt mehr als ein paar hundert Meter auseinander. Dies ist eines der am leichtesten begehbaren historischen Zentren Marokkos.
  • Die Untergründe sind der Haken. Die Gassen sind gepflastert, aber manchmal uneben oder bei Feuchtigkeit etwas rutschig, und die Türschwellen sind hoch. Schuhe mit gutem Grip und ein leichter Spazierstock sind nützlicher, als man denkt.
  • Treppen hinauf zu den Stadtmauern. Der Mauerweg und einige Terrassen sind nur über Steintreppen erreichbar, oft ohne Handlauf. Nehmen Sie sie langsam – oder genießen Sie denselben Meerblick von der Promenade darunter.
  • Übernachten Sie innerhalb oder direkt an den Mauern. Ein Riad oder kleines Hotel in der Medina oder an der Strandpromenade gleich davor bedeutet: Alles, was Sie sehen möchten, ist nur einen kurzen Spaziergang entfernt.
  • Autos halten an den Toren. Taxis dürfen nicht in die Medina, rechnen Sie also mit einem kurzen Stück zu Fuß mit dem Gepäck; die meisten Gästehäuser schicken jemanden zum Helfen, wenn Sie bei der Buchung danach fragen.
  • Überlegen Sie sich den August zweimal. Das Kulturmoussem ist herrlich, doch die Stadt füllt sich, Zimmer sind knapp und teuer, und Hitze und Menschenmengen machen die Gassen deutlich anstrengender.
  • Sonne und Wind. Die Atlantikbrise lässt die Kraft der Sonne unterschätzen. Hut, Sonnenbrille und Wasser – auch an Tagen, die mild erscheinen.
  • Bargeld und Ruhestunden. In kleinen Cafés und am Hafen ist Bargeld noch König; heben Sie in der neueren Stadt außerhalb der Mauern ab. Viele Betriebe schließen am frühen Nachmittag – genau dann, wenn auch Sie sich ausruhen sollten.

Eine schmale, ebene Gasse in der Medina von Asilah, typisch für die Wege der Altstadt.

Eine schmale, ebene Gasse in der Medina von Asilah, typisch für die Wege der Altstadt.

Was man essen sollte

Asilah isst, was seine Boote hereinbringen. Gegrillte Sardinen, schlicht und vollkommen mit Zitrone und Brot, sind das alltägliche Gericht der Stadt; daneben finden Sie Meerbrasse, Seezunge, Rotbarbe, Calamari und Garnelen, meist einfach gegrillt oder frittiert. Rund um den Hafen und gleich außerhalb der Medinamauern zeigen Ihnen kleine Familienbetriebe den Fang des Tages und braten alles, worauf Sie zeigen.

Das spanische Erbe zeigt sich auch auf den Tellern – frittierter Fisch, Meeresfrüchtesalate, Paella, die auf Karten nahe der Promenade auftaucht. Wer es magenschonender mag, findet hier alle marokkanischen Klassiker: Harira-Suppe, Hähnchentagine mit Oliven und Salzzitronen und Schalen mit Salaten, so frisch und leuchtend wie Orangensaft.

Zum Abschluss Pfefferminztee und ein Gebäck auf einer Terrasse mit Blick aufs Wasser. Und wenn Sie Ihren Fisch lieber ohne Grätenarbeit genießen: Bitten Sie beim Bestellen darum, ihn filetieren zu lassen – die meisten Küchen tun das gern.

Anreise

Nächste Flughäfen Tanger Ibn Battouta (TNG), rund 30–40 km entfernt, etwa 30–40 Minuten mit dem Taxi. Rabat–Salé und Casablanca liegen weiter südlich, etwa 3–5 Stunden auf Straße oder Schiene.
Mit der Bahn Mehrere ONCF-Züge täglich verbinden Tanger und Asilah in rund 40 Minuten; Züge fahren auch südwärts nach Rabat und Casablanca. Asilahs Bahnhof liegt etwas außerhalb des Zentrums, nehmen Sie also ein Petit Taxi zur Medina.
Auf der Straße Autobahn von Tanger, etwa 45 Minuten bis eine Stunde mit dem Auto oder Grand Taxi. Von Chefchaouen rechnen Sie mit rund 2 bis 2,5 Stunden, von Rabat mit etwa 3 Stunden.
Beste Monate April bis Juni und September bis Oktober: mild, klar und nicht überlaufen. Der August bringt das Kulturmoussem, aber auch Hitze und großen Andrang. Der Winter ist sanft, aber nass und windig.
Aufenthaltsdauer Zwei oder drei Nächte, um den Rhythmus zu spüren; ein ganzer Tag, wenn Sie von Tanger kommen.
Währung Marokkanischer Dirham (MAD). Karten funktionieren in Hotels und größeren Restaurants; für Cafés, Taxis und den Hafen Bargeld mitnehmen.

Asilahs Uferfront, wo die alten Mauern auf den Atlantik treffen.

Asilahs Uferfront, wo die alten Mauern auf den Atlantik treffen.

Unser Fazit

Asilah wird Sie nicht überwältigen, und genau darin liegt sein Geschenk. Es gibt kein großes Monument, das Sie vor Ihrem Tod gesehen haben müssen, keinen quälenden Aufstieg zu einem Aussichtspunkt, keine Medina, in der Sie sich wirklich stundenlang verlieren könnten. Es gibt eine kleine weiße Stadt an einem großen graublauen Ozean, eine Mauer zum Entlanggehen, Fisch zum Essen und Bilder an den Häusern, die beim nächsten Besuch andere sein werden.

Wir empfehlen die Stadt von Herzen als Zwei- oder Drei-Nächte-Station am Anfang oder Ende einer Nordmarokko-Reise – eine sanfte Landung nach einem Flug nach Tanger oder ein Ort, um vor der Heimreise zur Ruhe zu kommen. Verbinden Sie sie mit einem Tag in Tanger und, wenn die Beine mitspielen, einem Nachmittag in Larache.

Kommen Sie im Mai oder Oktober, nehmen Sie ein Zimmer mit Blick aufs Wasser und planen Sie, sehr wenig zu tun. Genau das belohnt Asilah.

„Eine Stadt, die sich jeden Sommer neu weißt und ihre Bilder von vorn beginnt – als bestünde das Meer auf einem sauberen Blatt.“


Bildnachweise

Dieser Reiseführer wurde aus dem Englischen übersetzt. English version. Über diesen Reiseführer: erstellt aus öffentlichen Quellen (Tourismusbüros, Websites von Parks und Verkehrsbetrieben) mit Hilfe von KI-Werkzeugen, die wichtige Fakten vor der Veröffentlichung prüfen. Preise, Öffnungszeiten und Zugang können sich ändern: Bitte prüfen Sie sie vor der Reise bei der offiziellen Quelle. Etwas veraltet? Schreiben Sie uns (auf Englisch). Wie unsere Reiseführer entstehen.

Weiterlesen

Das könnte Ihnen auch gefallen